Übersicht --- Notizen --- Ägypten
18. Juni 2005
Reise-Notizen Ägypten (7): Abu Simbel, Nassersee
Höhepunkt jeder Ägyptenreise ist bekanntlich der Felstempel von Abu Simbel, den man von Assuan bequem mit einem kurzen Flug erreicht. Die Versetzung des Tempels, die 42 Millionen Dollar kostete und für die man das Bauwerk in ca. 1000 bis zu dreißig Tonnen schwere Blöcke zerlegte, scheint ihm nicht geschadet zu haben. Die vier Kolossalstatuen vor dem Großen Tempel von Ramses II. verfehlen auch heute ihre Wirkung nicht. Die Innenausstattung wird wieder von der Lieblingspropagandalüge des Pharao dominiert: der Schlacht von Kadesch.
Nur 150 Meter vom Tempel entfernt erwartete uns die MS Nubian Sea für die Rückfahrt nach Assuan. Die letzten drei Tage der Reise waren nur von ein paar kurzen Ausflügen in die nubische Wüste unterbrochen, wo es noch ein paar kleinere Tempel zu sehen gab. Ich kann allen Ägyptenreisenden nur empfehlen nach dem massentouristischen Niltrubel noch ein paar Tage auf und um den Nassersee anzuhängen. Dieser ersten Reise zum Nil werden sicher noch weitere folgen.
8. Mai 2005
Reise-Notizen Ägypten (6): Kom Ombo, Assuan, Philae Tempel
Der Tempel Kom Ombo stammt ebenfalls aus der Ptolemäerzeit und liegt hübsch an einer Nilschleife, etwa 45km nördlich für Assuan. Das Bauwerk ist mit Haroeris und Sobek zwei Göttern geweiht (Doppeltempel), was sich architektonisch in einer zweiten Mittelachse niederschlägt.
Assuan war die südlichste Stadt der Reise. Orient pur bietet speziell der Basar, den Sozialphobiker besser meiden. Der berühmte Staudamm ist weniger imposant als erwartet, weil sich das Bauwerk mehr in die Breite als in die Höhe streckt.
Der Philae Tempel ist nur mit einem Motorboot zu erreichen. Er steht auch erst seit 1902 auf dieser Insel als der Bau des ersten Staudamms eine Umsetzung des Tempels notwendig machen. Durch die Insellage sehr malerisch gelegen fällt ansonsten die trapezförmige Anlage des Tempelhofs auf.
7. Mai 2005
Reise-Notizen Ägypten (5): Ramesseum, Horustempel in Edfu
Ebenfalls noch in Theben-West gelegen, kann man die Überreste des Ramesseums bewundern. Auf den mächtigen Pylonen ist die berühmte Kadeschschlacht (1274 v.u.Z) dargestellt: ein Meisterstück politischer Propaganda. Ramses II. überlebte diese Schlacht gegen die Hethiter nur durch einen Zufall. Trotzdem wurde sie im ganzen Reich als großer Sieg des heldenhaften Pharao gefeiert und an vielen Orten abgebildet.
Fährt man von Luxor den Nil abwärts, stößt man auf den Horustempel in Edfu. Er gilt als der besterhaltenste Tempelbau des alten Ägypten. In der Ptolemäerzeit vollendet (57 v.u.Z.) ist er aber auch vergleichsweise jung. Besonders sehenswert die streng blickende Falkenskulptur vor dem Eingang.
6. Mai 2005
Reise-Notizen Ägypten (4): Das Tal der Könige, Tempel der Hatschepsut
Sieht man, in welchem abgelegenen, öden Tal diese Grabstätten angelegt wurden, kann man die Hoffnung der Pharaonen nachvollziehen, diese entlegene Stätte möge ein sicherer Parkplatz für die Ewigkeit sein. Es entbehrt deshalb nicht der Ironie, den gewaltigen Menschenauflauf dort zu sehen. Aus konservatorischen Gründen sind immer nur ausgewählte Gräber zugänglich. Die längste Warteschlange ist bei Tutanchamun zu finden, dem unspektakulärsten Grab. Man tut besser daran, entlegenere Grabstätten aufzusuchen. Zu Tutmosis III. etwa verlaufen sich nur wenige Touristen.
Die künstlerische Qualität (und zum Teil auch noch die Farbpracht) der Reliefs sind sehr beeindruckend, und man bedauert, sie nicht mit größere Muse ansehen zu können.
Spektakulär der Tempel der Hatschepsut. Ein Architekturerlebnis ersten Ranges. Man glaubt ein modernes Bauwerk vor sich zu haben, so proportional erhaben tritt es einem entgegen.
17. April 2005
Reise-Notizen Ägypten (3): Theben
Klassischer Höhepunkt jeder Ägyptenreise ist das antike Theben (Luxor) mit dem Amun-Tempel von Karnak, eines der beeindruckendsten Bauwerke, die ich bisher sah. Selbst wenn man von der Monumentalität dieser Anlage weiß, steht man doch überwältigt zum ersten Mal davor. Sowohl die zahlreichen "Details" (Pylonen, Säulenhalle, Stelen, Sphinxen) als auch die patchworkartige Struktur der riesigen Anlage faszinieren. 2000 Jahre lang wurde immer wieder an dem Tempel gebaut.
Man vergisst sogar einen Moment die zehntausenden Touristen von hunderten (!) Nilschiffen. Deutlich übersichtlicher, und aufgrund des Pylons ebenfalls sehr imposant wirkend, ist der Amuntempel von Luxor. Ein gutes Beispiel wie ägyptische Tempel aufgebaut waren. Man muss zwei Höfe und eine Kolonnade durchqueren bevor am Ende den Barkensaal erreicht.
27. März 2005
Reise-Notizen Ägypten (2): Moloch Kairo
(Februar 2005)
Kairo ist mit 20 Millionen Einwohner eine Mega City und entsprechend turbulent und chaotisch geht es dort zu. Mehrspurig hupende Fahrzeugkolonnen (darunter fahrbare Untersätze, über deren Fähigkeit sich noch fortzubewegen man überrascht ist). Menschenmassen, die sich auf den Gehsteigen drängeln, überfüllte Busse ...
Hatte mir Kairo deutlich turbulenter als Istanbul vorgestellt, das war aber ein Irrtum. Die Unterschied sind nur graduell. Die einzelnen Stadtviertel sind höchst divergent und reichen von Gegenden mit schönen Villen aus der Kolonialzeit bis hin zu verslumten Gegenden ohne Müllabfuhr.
Das Ägyptische Museum ist bis an den Rand vollgestopft mit Kunstwerken, ein Alptraum für jeden Museumsdidaktiker. Man wird erschlagen von der Fülle an hochwertigen Kunstwerken und bräuchte eine halbe Woche, um sich einen fundierten Überblick zu verschaffen. Einige der Skulpturen sind von faszinierender Lebendigkeit, etwa die Schreiberbüste im Erdgeschoss.
Wer sich (wie ich) die berühmte Cheopspyramide majestätisch in einer Wüstenlandschaft thronend vorstellt, weil er Machfus gelesen oder "Tod auf dem Nil" gesehen hat, wird schnell eines besseren belehrt. Der Moloch Kairo (genauer: Gizah) ist inzwischen unmittelbar an die Pyramiden herangewachsen, so dass die Stadt unmittelbar vor dem Plateau aufhört.
Optisch beeindruckender als der berühmte Grabbau des Cheops ist Djosers Stufenpyramide in Sakkara. Auch archäologisch Interessantes gibt es dort mehr zu sehen.
Leider hatte ich kaum Gelegenheit, mir das moslemische Kairo näher anzusehen, von einem Spaziergang durch die Altstadt einmal abgesehen. Ein zweiter Besuch ist also dringend notwendig.
26. März 2005
Reise-Notizen Ägypten (1): "No bomb, Sir?"
(Februar 2005)
War ich mir auf dem Flug nach Kairo noch unschlüssig, ob es tatsächlich diesen vielzitierten Unterschied zwischen abendländischer und morgenländischer Mentalität gäbe, bekam ich am Ende des Fluges eine erste Demonstration orientalischer Gelassenheit. Minuten vor dem Landeanflug wurden die kleinen rosa farbigen Formulare verteilt, von denen dutzende Millionen ausgefüllt in ägyptischen Ämtern lagern müssen und welche man für die Einreise auszufüllen hat. Nun will ich nicht darauf hinaus, dass man diesen Dienst an der ägyptischen Bürokratie nicht hätte früher leisten können, immerhin war man seit über drei Stunden in der Luft. Das späte Ansinnen der ägyptischen Obrigkeit veranlasste jedoch eine ältere Dame auf der Suche nach einem Schreibgerät wenige Minuten vor der Landung aufzustehen, das Gepäckfach über ihr zu öffnen und ihre Taschen nach einem Stift zu durchwühlen. Ähnliches erlebte ich vor Jahren auf einem Flug der British Airways, wo sich sofort zwei Stewards laut in schönstem Britisch schreiend auf den Betroffenen stürzten und ihn mit sanfter Gewalt in seinen Sitz zurückbefördeten, nicht ohne weiterhin lautstark auf die Veletzung des strengen Landeanflugprotokolls hinzuweisen und ihm die Lebensgefahr vorzuhalten, der er gerade entgangen sei.
Ihre ägyptischen Kollegen? Beide saßen seelenruhig ein paar Meter angeschnallt auf ihren Crewsitzen und sahen der Dame gelangweilt zu, während das Flugzeug sanft landete. Willkommen im Orient.
Müßte ich ein repräsentatives Geräusch für meine erste Ägyptenreise wählen, so wäre es das ubiquitäre hochfrequente Piepsen der Metalldetektoren. Überall sind sie zufinden: An Hoteleingängen und vor Geschäften, vor Museen und auf den Nilschiffen. Die Touristen laufen brav hindurch, und es piepst jedesmal, weshalb man im halben Land von einem Dauerpiepsen umgeben ist. Aber die Sicherheitsvorschriften müssen ja eingehalten werden. Einigen Sicherheitsbeamten scheint die Absurdität dieser Maßnahmen jedoch bewusst zu sein, gleich zwei mal im Verlauf meiner Reise wurde ich, nach dem Verlassen der piepsenden Schleuse höflich gefragt: "No bomb, Sir"?
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