Übersicht --- Notizen --- Reise-Skizzen Griechenland
30. November 2002
Reise-Skizzen Griechenland (5): Delphi
Ein kulturgeschichtlicher Höhepunkt jeder Griechenland-Reise und auch in der Nachsaison von Touristen überlaufen. Am Berg gelegen sind die für eine solche Stätte typischen Ruinen zu finden (Tempel, Stadion, Trainingsstätte), aber auch eine Reihe von Häusern mit Weihegaben der einzelnen Stadtstaaten.
Hier also wurde altgriechische Politik gemacht, praktischerweise verknüpft mit für damalige Verhältnisse sehr beachtlichen Geldströmen, welche durch geschickte Priester in die richtigen (also die eigenen) Kassen umgeleitet wurden.
Bei dieser Gelegenheit sei auf die zweisprachige kleine Anthologie "Das Orakel von Delphi. Geschichte und Texte" hingewiesen, das bei Reclam erschienen ist und für wohlfeile 3,10 Euro zu haben ist.
17. November 2002
Reise-Skizzen Griechenland (4): Mistra, Olympia
Die mittelalterliche Stadt Mistra, unweit von Sparta gelegen, wurde unter beachtlichen bautechnischen Anstrengungen hoch an einem Berg errichtet. Auch das Alltagsleben war schwierig, mussten sich die Bewohner doch (samt den Tieren versteht sich) auf schmalen Bergwegen von Haus zu Haus bewegen.
Besucht wird diese Ruinenstadt heute vor allem aus kunsthistorischem Interesse: es finden sich in den Kirchen dort originale byzantinische Wandgemälde (viele leider in ziemlich schlechtem Zustand). Bemerkenswert die christlichen "medizinischen" Votivgaben. Sie unterscheiden sich nur geringfügig von den um 1600 Jahre älteren in Epidauros. Das religiöse Gegenüber war ein anderes, das Ritual blieb nahezu dasselbe.
Die sozial- und kulturgeschichtliche Bedeutung von Olympia ist bekannt, traf sich dort doch regelmäßig das antike Griechenland zu Wettkämpfen, die den Anlass zu vielfältigen Nebentätigkeiten boten. Händler aller Art (auch solche mit Informationen) fanden sich ebenso ein, wie die unterschiedlichsten Berufe. Für eine Ausgrabungsstätte gibt es noch viel zu sehen, so dass die Orientierung nicht übermäßig schwer fällt. Höhepunkt ist das Museum mit zahlreichen Skulpturen des Zeus Tempels (dessen Überreste draußen zu besichtigen sind), welche die unglaubliche Ausdruckskraft griechischer Kunst vor Augen führen und bestes Beispiel dafür sind, dass die antiken Künstler ihren Formenkanon in einem rasanten Tempo erweiterten.
27. Oktober 2002
Reise-Skizzen Griechenland (3): Epidauros, Nauplia
Das Asklepieion in Epidauros war das Zentrum eines antiken Kurortes, zu dem sich verzweifelte Kranke aus der griechischen Welt aufmachten, um endlich von ihren Leiden geheilt zu werden. Es liegt entsprechend malerisch in einer sanft hügeligen Landschaft, und weist die Überreste einer Reihe von Einrichtungen auf, wie sie auch heute an solchen Orten noch üblich sind, ein Konzerthaus etwa.
Höhepunkt ist unbestritten eines der am besten erhaltenen griechischen Theater. Die Ränge umfassen 17.000 Plätze, die alle von einer phänomenalen Akkustik profitieren. Selbst in den obersten Rängen hört man, wenn jemand im Zentrum unten eine Münze fallen läßt. Zusätzlich zur Theateraufführung (es wird immer noch als solches im Sommer genutzt) hat man einen netten Ausblick auf die Umgebung.
Nach der Befreiung Griechenlands wurde der junge bayerische Otto zum König ernannt (nach zähem diplomatischen Ringen). Die erste Hauptstadt war nicht das damals unansehnliche Athen, sondern Nauplia, eine der hübschesten Städte am Mittelmeer, die ich bis jetzt besuchte. Die Schönheit ist allerdings direkt proportional zur Verschlafenheit (28.000 Einwohner).
18. Oktober 2002
Reise-Skizzen Griechenland (2): Alt-Korinth und Mykene
Wer sich von Athen aus dorthin auf den Weg macht, muss den Isthmos überqueren und kann als beeindruckende Ingenieurleistung den Kanal (1893) bewundern. In der Antike haben Griechen und Römer vergeblich versucht, eine künstliche Schiffverbindung zu schaffen. Wer heute diese Gesteinsmassen sieht, die dafür bewegt werden mussten, den verwundert nicht, dass die antike Technik daran scheitern musste.
Die zentrale strategische Lage Alt-Korinths läßt sich immer noch gut erkennen, und es ist einleuchtend, dass ausgerechnet dort eine der mächtigsten griechischen Städte entstand. Der Erhaltungszustand der Monumente ist nicht sehr gut, sieht man von den Überresten eines archaischen Tempels ab.
Besucht man die klassischen Stätten in Griechenland, sollte man ausreichend vorbereitet sein. Denn ohne Wissen um den (kultur)geschichtlichen Kontext der Stätten (und/oder einen guten Führer) wirken die antiken Überreste an sich nicht sehr beeindruckend. Es ist deshalb notwendig, das Gesehene durch Vor-Wissen zu ergänzen, damit man einen faszinierenden Eindruck von damals erhält.
Mykene war einer der Höhepunkte der Reise. Auf einen steinübersäten Hügel gelegen (und deshalb gar nicht so leicht zu ersteigen) kann man die Überreste der mykenischen Baukunst bewundern. Schwere Steinbögen (Löwentor!) zeugen ebenso von umfangreichen Statik-Kenntnissen wie eine aus strategischen Gründen angelegte unterirdisch Zisterne. Die Wasserquelle Mykenes wäre im Falle einer Belagerung außerhalb der soliden Stadtmauern gelegen. Deshalb sah man sich genötigt das Wasser unterirdisch in die Stadt zu führen. Wieder einmal ein Beleg für die These, dass technischer Fortschritt oft Hand in Hand mit "kriegerischen" Bedürfnissen geht.
13. Oktober 2002
Reise-Skizzen Griechenland (1): Athen
Griechenland wird derzeit generalsaniert. Die bekannten Denkmäler sind durch Gerüste umstellt, wenn nicht überhaupt zur Restaurierung komplett abtransportiert - wie der Nike Tempel auf der Akropolis.
Sogar das Nationalmuseum wurde komplett geschlossen und man frägt sich, warum die Athener nicht wenigstens die herausragendsten Werke an anderer Stelle zugänglich machen. Der Grund für diese Renovierungswut ist schnell gefunden: Während der Olympischen Spielen 2004 will sich das Land in neuem Glanz präsentieren. Ein Jahr darauf wäre also ein idealer Termin für eine ausführliche Griechenland-Reise.
Athen selbst gehört zu den fußgängerfeindlichsten Städten, die mir bis jetzt begegnet sind. Achtspurige Straßen wälzen sich durch das Zentrum, sporadisch von Ampeln unterbrochen, deren Grünphasen für Fußgänger selbst Kurzstreckenläufern kaum ausreichen dürften. Es versteht sich, dass diese Autolawinen direkt um viele berühmte Monumente kreisen, denen die Smogspuren deutlich anzusehen sind.
Eine Seite am Fuß der Akropolis wurde kürzlich verkehrsberuhigt und in eine Flaniermeile mit beeindruckenden Ausblicken verwandelt. Der berühmte Hügel selbst ist erwartungsgemäß beeindruckend, man lese die Details in dem von mir empfohlenen Reiseführer Lambert Schneiders nach.
Seltsam aufschlussreich sind die neoklassizistischen Bauten der Stadt, wie man sie aus München oder Wien kennt. Der von Theophil Hansen konzipierten Athener Nationalbibliothek etwa ist die Ähnlichkeit mit dem von ihm erbauten Wiener Parlament deutlich anzusehen. Es entbehrt nicht der Ironie, dass der antiseptische Stil dieser Bauten deutlich von den bunten Bauten der Antike abweicht. Man steht in Athen staunend vor der aus dem Norden reimportierten architektonischen Umsetzung der sachlich oft falschen Antikenrezeption der deutschen Klassik.
4. Oktober 2002
In Griechenland unterwegs
In den nächsten acht Tagen steht Athen, Korinth, Mykene, Epidauros, Sparta, Mistra, Olympia und Delphi auf dem Programm.
Therefore no update :-)
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