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"Klassiker-Verlage" [2006]



Auszug aus meinen Notizen




Wer verlegt noch Klassiker?

Es soll eine kleine Serie werden: Welche (deutschsprachigen) Verlage publizieren noch Klassiker in einem nennenswerten Ausmaß? Mit "Klassikern" sind selbstverständlich auch wichtige Werke der Naturwissenschaften gemeint, wie in meinen "Bibliotheks-Anmerkungen" beschrieben.
Die Zahl der expliziten Klassik-Reihen ist meinem Eindruck nach seit Jahren rückläufig. "dtv klassik" gibt es schon lange nicht mehr, auch die "Aufbau Bibliothek" wurde klammheimlich eingestellt.
Der Deutsche Klassiker Verlag ist sicher ein gute Auftakt, trägt er doch sein Anliegen schon im Namen. Ziel war und ist das Schaffen einer solide editierten Bibliothek mit wichtigen Klassiker-Ausgaben. Gegründet wurde er 1981, inzwischen sind knapp 180 Bände erschienen. Eigentümer ist der Suhrkamp Verlag. Über die Intention der Neugründung gibt der von Gottfried Honnefelder herausgegebene "Almanach zur Eröffnung der Bibliothek deutscher Klassiker" in einer Reihe von Beiträgen Auskunft. Leider ist der Band nur noch antiquarisch erhältlich.
Besondere Publizität erreichte die Frankfurter Goethe-Ausgabe in 40 Bänden, die zwar einerseits wegen der leicht modernisierten Orthographie berechtigterweise kritisiert wurde, andererseits auch einige Verdienst hat, wie beispielsweise die bahnbrechende Neuedition der "Maximen und Reflexionen" durch Harald Fricke.
Wichtig auch die Bibliothek der Frühen Neuzeit, die verschiedene Prosaromane gut editiert und ebenso kommentiert versammelt. Leider läßt die Preisgestaltung nur einen sehr selektiven Kauf der Bücher zu, und die Zahl der preiswerteren Sonderausgaben sind ärgerlicherweise noch sehr überschaubar ...


Klassiker-Verlage (25): Marixverlag

Der Verlag bietet eine Reihe von sehr preisgünstigen Lizenzausgaben von Klassikern aller Art an, die in keiner soliden Privatbibliothek fehlen sollten. Erwähnt seien an dieser Stelle exemplarisch Die Edda, Der Jüdische Krieg des Flavius Josephus oder die Geographica des Strabo.

Klassiker-Verlage (24): Jokers

Zugegeben kein Verlag, aber doch eine nette Quelle, um günstig an diverse Klassiker-Ausgaben zu kommen. Das gilt auch für wissenschaftliche Literatur und Kunstbücher. Bekanntlich werden ja nicht die schlechten Bücher verramscht :-)

Klassiker-Verlage (23): The Library of America

Ebenfalls eine hervorragende Quelle für gute Klassiker-Ausgaben, so sagt man mir. Selbst überprüfen konnte ich es nicht, die Informanten aber sind verläßlich. Die Auswahl könnte etwas umfangreicher sein. Werde mich bald selbst von der Qualität der Reihe überzeugen.

Klassiker-Verlage (22): Hamburger Lesehefte

Sie sind der kleine Bruder von Reclams Universalbibliothek. Die Auswahl ist deutlich kleiner als bei der RUB, dafür sind die Hamburger Lesehefte merklich preiswerter. Reclams gelbe Hefte kosten ja (von wenigen Ausnahmen abgesehen) inzwischen so viel wie "normale" Taschenbuchpreise.

Klassiker-Verlage (21): Zweitausendeins

2001 sollte eigentlich allen bekannt sein. Dort gibt es seit vielen Jahren günstige Klassiker-Ausgaben in Lizenz. In den meisten Fällen solide Ausgaben zu erstaunlichen Preisen. Weiter so!

Klassiker-Verlage (20): Great Mind Series

Diese Reihe erscheint bei Prometheus Books und hält eine Reihe von wichtigen Titeln vor, die in keiner Privatbibliothek fehlen sollten und normalerweise nicht so leicht zu bekommen sind. Darunter auch naturwissenschaftliche Klassiker wie "On the Revolutions of Heavenly Spheres" des Nicolaus Copernicus oder die "Germ Theory and Its Applications to Medicine" von Louis Pasteur und Joseph Lister.

Klassiker-Verlage (19): Dover Classics of Science and Mathematics

Auf diese Reihe wurde ich vor ein paar Jahren durch meine Suche nach einer erschwinglichen Ausgabe von William Gilberts berühmter Studie "De Magnete" (1600) aufmerksam, ein bahnbrechendes Werk über Magnetismus und Elektrizität.
Aber auch die anderen Titel können sich sehen lassen. Von Acricolas "De Re Metallica" über Lavoisiers "Elements of Chemistry" bis Einsteins "The Principle of Relativity" reicht das Spektrum.

Klassiker-Verlage (18): Oxford World's Classics

Eine kleine, aber feine Weltliteratur-Reihe verlegt die Oxford University Press. Man findet keine Überraschungen, aber doch eine Reihe von soliden und preiswerten Ausgaben. Alles in allem ein kleiner Bruder der Penguin Classics.

Chaucer zweisprachig

Jetzt werde ich den Goldmann-Verlag doch noch einen Platz in der Reihe "Klassiker-Verlage" einräumen müssen: 2000 Seiten Canterbury-Erzählungen in drei Bänden für nur 30 Euro, zweisprachig und kommentiert, sind eine lobenswerte verlegerische Tat. Die Übersetzung stammt von Fritz Kemmler. In der "Literatur und Kunst" - Beilage der NZZ gibt es eine Rezension dazu.

Klassiker-Verlage (17): Pengiun Classics

Sechzehn deutschsprachige Verlage waren es, die in nennenswertem Umfang "klassische" Bücher verlegen. Die Penguin Classics sind das Aushängeschild der angelsächsischen Verlagszene, was die Veröffentlichung von "great books" angeht. Quantitativ gehört sie mit 1600 Titeln zu den umfangreichsten Klassiker-Reihen. Die Editionsqualität ist in der Regel ebenso solide wie die Übersetzungen. Eine vergleichbare Reihe auf Deutsch machte den hiesigen Buchmarkt bei weitem attraktiver.

Klassiker-Verlage (16): Suhrkamp

Auch wenn Suhrkamp nur teilweise zu den bisher behandelten 15 Verlagen passt, verdient er wegen der zahlreichen Werkausgaben (von Hegel über Kraus bis Adorno) eine besondere Erwähnung. Nach der Pleite von Haffman wird auch das Werk Arno Schmidts von Frankfurt aus betreut.

Klassiker-Verlage (15): Felix Meiner

Die Philosophische Bibliothek ist wohl die wichtigste Editionsreihe philosophischer Texte im deutschsprachigen Raum. Das Anliegen blieb seit 1868 gleich, die Leser sollten mit sorgfältig editierten Texten versorgt werden. Möge ihr noch ein langes Leben beschert sein :-)

Klassiker-Verlage (14): Stroemfeld

Ein Verlag, der in den letzten Jahren das deutschsprachige Editionswesen maßgeblich prägte. Die Faksimile-Ausgabe der Werke Franz Kafkas beispielsweise ist immer noch der Anlass für heftige Debatten.
Eine Übersicht der von Stroemfeld veranstalteten Edition ist online zu finden.

Klassiker-Verlage (13): Carl Hanser

Die auch von mir sehr geschätzte Münchner Goethe-Ausgabe zeigt, was Hanser beim Verlegen von Klassikern zu leisten vermag. Die unübliche chronologische Anordnung der Werke hat sich sehr bewährt, der Kommentar ist erstklassig, da er sachlich informiert und keiner germanistischen "Schule" anhängt.
Auch die zahlreichen anderen Editionen brauchen sich nicht zu verstecken, jüngeren Bücherkäufern durch die zahlreichen preisgünstigen Lizenzausgaben bekannt, die in den letzten Jahren bei Zweitausendundeins und in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft erschienen sind.

Klassiker-Verlage (12): Wissenschaftliche Buchgesellschaft

Eine ausgesprochen lobenswerte Rolle als Klassiker-Verlag spielt die WBG. Einerseits bringt sie regelmäßig günstige Lizenzausgaben von wichtigen Werkausgaben. Aktuell sind die für das erste Halbjahr angekündigten Editionen von Fontane (10 Leinenbände für 89.- Euro) sowie eine Gesamtausgabe der Romane und Erzählungen von Achim von Arnim (3 Bände für 30 Euro) zu nennen.
Andererseits verlegt die WBG wichtige, teils entlegene Texte in Eigenregie, etwa in der Reihe "Texte zur Forschung". Der von mir erworbene Reprint der "Summa Contra Gentiles" des Thomas von Aquin, wurde an dieser Stelle bereits erwähnt.

Klassiker-Verlage (11): Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar

Der Verlag mit dem eigenartigen Namen zeichnet sich auf dem Gebiet der Klassiker-Edition vor allem mit der großen Schiller "Nationalausgabe" aus. Wichtig auch die Ausgabe mit Goethes "Amtlichen Schriften", von der Neuauflage der Sophienausgabe gar nicht zu reden.
Viel Martin Luther bietet die derzeit für 3542 Euro erhältliche Sonderedition der Weimarer Ausgabe (120 Bände). Alles mehr für den Spezialisten denn für den durchschnittlichen Bücherkäufer gedacht.

Klassiker-Verlage (10)

Dem Deutsche Taschenbuch Verlag kann man Verdienste auf diesem Feld nicht absprechen, auch wenn diese inzwischen mehr in der Vergangenheit angesiedelt sind.
Eine eigene Reihe wie "dtv klassik" gibt es längst nicht mehr, die "Bibliothek der Antike" ist ebenfalls seit langem vergriffen. Im regulären Programm werden nach wie Klassiker verlegt, allerdings ohne große Überraschungen. In der Backlist findet sich einiges Erwähnenswerte, etwa die drei Bücher von Pierre Loti. Auch die Reihe Bibliothek der Erstausgaben darf nicht verschwiegen werden.

Klassiker-Verlage (9)

Der Diogenes Verlag widmet sich regelmäßig der Klassiker-Pflege, ohne Spektakuläres zu bieten. Aus dem aktuellen Herbstprogramm hervorzuheben sind etwa Chechovs "Gesammelte Humoresken und Satiren 1880-1892". Die Taschenbuch-Reihe "Meistererzählungen" verdient ebenfalls Erwähnung. Ansonsten bietet detebe viel Repertoire, durchmischt mit ein paar Überraschungen, wie das für Februar angekündigte Buch Peter Kropotkins "Ideale und Wirklichkeit in der russischen Literatur".

Klassiker-Verlage (8)

Der Aufbau Verlag gründete vor einigen Jahren die Reihe "Aufbau Bibliothek" um Höhepunkte aus dem reichen Klassiker-Fundus neu aufzulegen, der noch aus DDR-Zeiten stammt. Still und leise wurde das Unternehmen wieder eingestellt, von der vielgepriesenen Mischkalkulation keine Spur.
Mehr oder weniger regelmäßig findet man nun Klassiker im normalen Verlagsprogramm, jedoch ohne dass ein plausibles Profil zu erkennen wäre. Viel Fontane, ansonsten das Übliche von "Madame Bovary" über "Lord Jim" zu "Oliver Twist".

Klassiker-Verlage (7)

Ein ungewöhnlicher Verlag, inzwischen zur Reihe degradiert, soll heute vor den Vorhang: Ostwalds Klassiker der exakten Wissenschaften. Spezialisiert auf die Publikation von historisch wichtigen Büchern aus den Naturwissenschaften, ist er im deutschsprachigen Raum weitgehend konkurrenzlos. Eine kleine Geschichte dieses Unternehmens ist ebenfalls online zu finden.
Abschließend sei noch auf die derzeit lieferbaren Titel der Reihe verwiesen, auf dass sie viele Käufer finden mögen.

Klassiker-Verlage (6)

Der klassischste Klassiker-Verlag ist naturgemäß Reclam, der seit langer Zeit davon lebt, Schüler und Studenten mit Lektürestoff zu versorgen. Preiswert sind dort noch viele Klassiker zu haben, allerdings hat sich die Preispolitik im letzten Jahrzehnt zunehmend dahingehend verändert, dass umfangreichere Bücher innerhalb der Universal Bibliothek manchmal teurer als alternative Taschenbuch-Ausgaben anderer Verlage sind.
Besonders hervorzuheben sind die Editionen mitteralterlicher und frühneuhochdeutscher Literatur. Hier ist Reclam derzeit - leider! - konkurrenzlos, was sich nicht zuletzt darin niederschlägt, dass nur noch selten neue Titel dazukommen.

Klassiker-Verlage (5)

Längst hätte in dieser kleinen Reihe der Insel Verlag erwähnt werden müssen, der 1999 seinen hundertsten Geburtstag feierte und eine der schönsten klassischen Taschenbuchreihen verlegt, deren Bücher auch noch dann ansehnlich im Regal stehen, wenn gleich alte rororos längst vergilbt sind. Ein Feature zum Lesen bzw. Anhören gibt nähere Auskünfte über die Geschichte des Verlags.
Berühmt bei bibliophilen Sammlern ist die Insel Bücherei. Insgesamt sind knapp 2500 Titel lieferbar, womit ein wesentlicher Teil der deutschen Klassiker-Publikationen abgedeckt ist. Die Neuerscheinungen der letzten Jahre waren vergleichsweise enttäuschend, wirklich spannende Titel ließen sich an einer Hand abzählen.

Klassiker-Verlage (4)

Die Friedenauer Presse ist einer der Kleinverlage, die sich große Verdienste um Klassiker-Ausgaben erworben haben. Hier sind vor allem die kongenialen Übersetzungen russischer Literatur durch Peter Urban zu nennen, beispielsweise dessen Übertragung von Babels "Die Reiterarmee".
Auch die gerade erworbenen "Drei kleinen Romane" von Cechov brachte Urban in ein hervorragendes Deutsch. Dass solche Qualität auch Käufer findet zeigt ein Blick in das Buch, handelt es sich doch bereits um die 6. Auflage.
Nun liegt es im Wesen eines Kleinverlages, nur eine Handvoll Bücher pro Jahr zu veröffentlichen. Mehr erstklassige Publikationen findet man allerdings auch in größeren Häusern selten, die Dutzende Titel jährlich auf den Markt werfen. Weiter so!

Klassiker-Verlage (3)

Die Bücher von Manesse fallen durch ihr kleines Format auf. Dank Dünndruck finden für die dickleibigsten Werke darin Platz. Derzeit sind gut 630 Titel lieferbar, eine durchaus beachtliche Zahl. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist akzeptabel, die Editionsqualität für Leseausgaben ebenfalls. Es finden sich auch Werke abseits des Kanons, unter den Herbstneuerscheinungen dieses Jahr beispielsweise Dino Buzzatis "Panik in der Skala".

Klassiker-Verlage (2)

Eine der bekanntesten Adressen ist Artemis & Winkler. Dabei handelt es sich um ein Imprint des Patmos Verlages, der unter anderem mit religiösen Propagandatiteln wie "Gottesdienst für Jugendliche" sein Geld verdient ...
Zielgruppe ist das klassische Bildungsbürgertum, das die Klassiker der Weltliteratur in schönen Ausgaben in seinem Bücherschrank ausstellen will. Deshalb findet man wenig Überraschendes im Programm.
Erwähnenswert ist die gerade erschienene zweisprachige Gesamtausgabe der "Sämtlichen Fabeln und Novellen" von La Fontaine (52 Euro; ISBN 3-538-05496-7). Die Blaue Reihe bedient das untere Preissegment, hier sind auch Klassiker der Moderne zu finden.



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