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1. Quartal 2008
30. März 2008
Dino Buzzati: Die Tatarenwüste. Roman
(Fischer Taschenbuch)
Unter Bücherfreunden wird Buzzati gerne mit dem Prädikat "italienischer Kafka" belegt. Wie alle derartigen Schubladen ist auch diese problematisch, soweit man das nach dem Lesen eines einzigen Romans sagen kann, durch denn Buzzati allerdings berühmt geworden ist.
Das Prädikat hat eine gewisse Berechtigung, wenn man es auf Buzzatis Stil bezieht, schreibt er doch eine in verschiedener Hinsicht fantastische Geschichte in einem so realistischen Duktus als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt. Hier erinnert Buzzati tatsächlich an Kafka, dessen Ästhetik ansonsten aber viel radikaler anmutet. Kafkas Ambiguitäten schmerzen den Leser geradezu und verlangen nach einer (unmöglichen) Deutung. Die Bibliothken voller widersprüchlicher Interpretationen belegen das hinreichend.
Buzzatis Rätselhaftigkeit ist weniger befremdend, was beschreibend, nicht wertend gemeint ist. "Die Tatarenwüste" erzählt die Lebensgeschichte des Giovanni Drogo, der als junger Leutnant seine militärische Karriere in einer geheimnisvollen, entlegenen Festung im Gebirge beginnt. Diese liegt am Rand der Tatarenwüste, um das Land vor einem Tatareneinfall zu schützen. Wie weiland Hans Castorf in Davos will Drogo nur kurz bleiben, wird dann aber nicht nur sieben Jahre, sondern sein gesamtes Leben dort verbringen. Man wartet mit Sehnsucht auf den Angriff aus den Norden, um der eigenen Existenz Sinn zu geben. Unterbrochen von diversen Vorkommnissen zieht das Leben an Drogo vorbei, während seine ehemaligen Freunde in der Stadt normale Leben führen.
Diese Geschichte ist von großer existenzieller Symbolkraft, Buzzati ist ein Meister der Doppelbödigkeit. Man glaubt stellenweise, eine modernen Mythos zu lesen. Hier wird "Klassisches" mit der Moderne kongenial verbunden.
29. März 2008
Markus Werner: Zündels Abgang. Roman [2.]
(dtv)
Schon die erste Lektüre vor einigen Jahren lies mich fasziniert zurück. "Zündels Abgang" ist eine fulminante Abrechnung mit dem Alltagswahnsinn. Lehrer Konrad Zündel, bisher geschätztes Mitglied der Schweizer Mittelklasse, kommt mit den Absurditäten und Zumutungen seines Lebens plötzlich nicht mehr zurecht und gleitet während der Ferien physisch und psychisch in die Zerrüttung ab. Während einer Reihe von grotesken Erlebnissen in Italien (nota bene!) nimmt das Verhängnis seinen Lauf.
Dieses kurze Buch enthält eine überwältigende Fülle von brillanten Bildern, Beobachtungen und Sentenzen, dass man am liebsten jeden Satz anstriche.
Übelwollend könnte man sagen, der Roman sei eine Art "Steppenwolf" für Intellektuelle in der Midlife Crisis. Frappant ist aber, dass der Text trotz klassisch-gehässiger Kulturkritik am modernen Leben nicht larmoyant wirkt(Negativbeispiel wäre hier Botho Strauss), sondern dass man den grotesken Zündel als glaubwürdige Figur empfindet, deren Leiden an der Welt man sehr gut nachempfinden kann. Eines der größten kleinen Bücher der zeitgenössischen Literatur.
23. März 2008
Reise-Notizen: Budapest
Seit Freitag bin ich nun bereits in Budapest, zum ersten Mal seit bald 20 Jahren, obwohl es mit dem Zug von Wien aus nicht umständlicher zu erreichen ist als Salzburg. Geplant war ein laues Frühlingswochenende, herausgekommen ist eine winterliche Städtereise.
Budapest erinnert in vieler Hinsicht an Wien, Kakanien grüßt an vielen Ecken. Legt man freilich die nach oben offene Urbanitätsskala an die Stadt an, hat sie Wien im Moment wenig entgegenzusetzen. Die Ungarische Nationalgalerie liegt malerisch auf dem Burghügel über der Donau. An dieser Stelle sei angemerkt, dass der mitten durchs Zentrum führende Fluss viel zum Flair der Stadt beiträgt. In diesem Punkt ist Wien weit abgeschlagen, wo die Donau ja bekanntlich weit von der Innenstadt entfernt fliesst, was auch der pittoreske Donaukanal nicht wett macht. Weite Teile der Donau in Budapest sind dafür in den Händen der Autofahrer und ich frage mich einmal mehr, warum man die Straßen direkt am Flussufer baut anstatt hier Promenaden zu planen.
Die Nationalgalerie umfasst eine große Sammlung ungarischer Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart und ließ mich etwas ratlos zurück. Das hat freilich vor allem mit meinem mangelndem Wissen über die Geschichte Ungarns zu tun, bezieht sich die Kunst seit der Neuzeit doch stark auf den historischen Kontext. Stilistisch betrachtet findet man eigene gewöhnungsbedürftige Eigenheiten, kann aber die Koppelung an die europäischen Kunstströmungen unschwer erkennen. Im Vergleich zur österreichischen Malerei des 19. Jahrhunderts stachen verstärkte sozialkritische Motive ins Auge. Interessant auch die Avantgarde nach 1945, die trotz Eisernen Vorhang eine Reihe innovativer Werke hervorbrachte.
Zu Hause fühlte ich mich dagegen wieder bei der Kunst des Mittelalters, die sich in Zentraleuropa durch eine vergleichsweise homogene Ästhetik auszeichnet, sowie speziell bei der Spätgotik, wo einige sehr schöne Stücke zu sehen sind.
Ganz in meinem Element war ich heute allerdings im "Museum of Fine Artes", wie die offizielle Übersetzung lautet, das eine sehr umfangreiche internationale Kunstsammlung beeinhaltet. Zugegeben, die äyptische und die antike Sammlung ist sehr überschaubar, wobei bei der griechischen Kunst vieles aus den süditalienischen Kolonien (Apulien) stammt, was man nicht so oft zu sehen bekommt. Ansonsten gibt es viele Meisterwerke aus allen Epochen zu sehen, erwähnt seien eklektisch Bilder von Giotto, Duccio, Cranach, Dürer, Bruegel (alt und jung), Giorgine (!), Raphael, Titian und viele andere mehr. Ungewöhnlich umfangreich ist die Sammlung spanischer Malerei, davon eine Reihe El Grecos, von dem es im Kunsthistorischen Museum in Wien nichts zu sehen gibt. Alleine diese Gemäldesammlung lohnt eine Reise nach Budapest!
Als Draufgabe gibt es derzeit noch eine großartige Sonderausstellung zu sehen, "The Splendour of the Medici. Art and Life in Renaissance Florence". In einer Mischung aus chronologischer und thematischer Herangehensweise werden eine Fülle erstklassiger Exponante präsentiert. Kunsthandwerk aus Florenz, zeitgenössische Dokumente (darunter Meisterwerke der Buchkunst!), eine Menge an hochkarätigen Gemälden und Zeichnungen (Raffael, Leonardo, Michelangelo...), so dass sich ein atmosphärisch rundes Bild ergibt. Der Audioguide ist ausgezeichnet (auf Englisch im schönsten hochnäsigen Oxford English gesprochen), so dass es ein erstklassiges Erlebnis war. Florenz war sehr spendabel, was die Leihgaben angeht, so ist vieles aus den Uffizien ausgestellt.
16. März 2008
Thomas Mann: Joseph, der Ernährer
(Fischer TB)
Der letzte Band der Tetralogie setzt Thomas Manns literarische Verarbeitung des Bibelstoffs auf hohem literarischen Niveau fort. Die Verknüpfung zwischen mythologischen ägyptischen Elementen und der Josephsgeschichte wird beinahe schon zu routiniert abgewickelt.
Josephs tiefer Fall ins Gefängnis, die anschließende Karriere zum Stellvertreter des Pharao und das Wiedersehen mit seinen Brüdern und Jaakob sind an sich bereits eine literarisch ergiebige Geschichte, und Mann holt mit Hilfe seiner Erzählkunst erwartungsgemäß das Optimale aus ihr heraus. Echnatons (aus orthodoxer Sicht) ketzerischer monotheistischer Glaube bietet naturgemäß viele religiöse Anknüpfungspunkte.
Auch im vierten Teil gibt es wieder sehr gelungene Figuren. Mai-Sachme etwa, der Aufseher der Gefängnisinsel, der sich mehr für seine literarischen und medizinischen Projekte als für seine administrativen Tätigkeiten interessiert, und den Joseph später zu seinem Haushaltsvorstand machen wird.
Die Tetralogie gehört zweifellos zu den besten Werken Thomas Manns und man sollte sich von deren Länge auf keinen Fall von der Lektüre abhalten lassen. Allerdings sollte man sich vorher etwas mit der Mythologie Ägyptens beschäftigen. Im Idealfall bereitet man sich mit einer Ägyptenreise auf dieses Lesererlebnis vor.
Jürgen Grambow: Uwe Johnson
(rororo monographie)
Zur Halbzeit der "Jahrestage" bot sich als Zwischenspiel die Lektüre dieser kleinen Monographie an. Gambow gibt einen soliden Überblick über Johnsons Werdegang und seine Hauptwerke. Für meinen Geschmack ab und zu etwas zu manieriert geschrieben, was aber der Nützlichkeit des Buches keinen Abbruch tut. Gambow ist besonders gut darin, die ästhetischen Strategien Johnsons zu beschreiben und den oft unglaublichen Anspielungsreichtum und die zahlreichen Doppelbödigkeiten der Texte exemplarisch aufzuzeigen.
9. März 2008
Plato: Der Staat. Sechstes Buch (2.)
(Felix Meiner)
Dieses und die nächsten Bücher werden gerne die "philosophischen" genannt, weil hier theoretische Fragestellungen im engeren Sinn abgehandelt werden. Zuvor jedoch geht es einmal mehr um die Rolle des Philosophen in der Polis. Plato greift erneut auf eines seiner Lieblingsbilder zurück: Auf das Schiff. Der Philosoph sei wie der Steuermann auf einem Schiff der Bestqualifizierte, um den Staat zu lenken. Er beschreibt die Situation, die entstünde, setzten die Matrosen den Steuermann ab und übernähmen selbst ohne Qualifikation die Schiffsführung: Inkompetenz und Gefahr wären die Folge. Warum also sollten normale Bürger die Regierungsgeschäfte übernehmen? Ein weiterer Baustein in seiner Ablehnung der Demokratie.
Sokrates setzt mit einer unfreundlichen Beschreibung des politischen Alltags und der mangelnden intellektuellen Begabung seiner Mitmenschen fort. Die meisten hätten keinen Sinn für geistige Fragestellungen. Die Zuhörer des Sokrates und auch die Leser des "Staates" warten nun gespannt, auf die entscheidende Enthüllung seiner philosophischen Konzeption. Was ist dieses weitreichende Wissen, das den Philosphenkönig zum Herrschen auszeichnet? Es ist die Idee der Ideen: die des Guten.
Zu Beginn vermeidet Sokrates zu präzisieren, was das Gute nun eigentlich sein soll, und gibt stattdessen ex negativo Beschreibungen, was viele fälschlicherweise für gut halten. Von Glaucon damit konfrontiert, versucht Sokrates eine Antwort, in dem er erst zwischen dem Reich der Sinne und dem des Seins unterscheidet. Im Bereich des Seins und der Erkenntnis spiele sie eine ähnliche Rolle wie die Sonne für das Reich des Sinne. Die Sonne sei die Ursache für Licht und damit Leben. Die Idee des Guten sei die Ursache für Wissen und Wahrheit.
Das ist aus heutiger Sicht natürlich alles sehr vage formuliert. Man sollte sich aber bei der Lektüre immer vor Augen halten, dass Plato der erste war, der in dieser Ausführlichkeit diese theoretischen Kategorisierungen vorgenommen hat und seine scharfen Alltagsbeobachtungen seiner Mitmenschen bis heute aktuell sind.
5. März 2008
Uwe Johnson: Jahrestage. Band 2
(Suhrkamp Taschenbuch)
Der erste Band ließ mich zwiespältig zurück. Einerseits fand ich das grundlegende ästhetische Konzept (Gegenwartshandlung in New York, Familiengeschichte in Mecklenburg, aktuelle Ereignisse anhand der New York Times) sehr gelungen. Andererseits war die Umsetzung teilweise fraglich und einzelne Abschnitte auch von sehr unterschiedlicher Qualität.
Ich begann die Lektüre des zweiten Teils also skeptisch gestimmt. Diese Vorbehalte verflogen jedoch überraschend schnell: Die Integration der verschiedenen Ebenen wirkte nun sehr plausibel und auch die erzählerische Dichte war deutlich höher. Über lange Passagen hinweg fängt Johnson die dunkle Seite des 20. Jahrhunderts furios ein. Während im Jerichow-Komplex die "Höhepunkte" des Dritten Reiches beschrieben werden, etwa die Reichskristallnacht, rücken in der Gegenwartshandlung die Grausamkeiten des Vietnamkrieges in den Mittelpunkt. Johnson geht hier sehr geschickt vor, in dem er z.B. die ikonographischen Fotos des Krieges beschreibt. Doch damit nicht genug, es wird auch noch das bedrückende Leben der Armen in New York überzeugend geschildert.
Das klingt nun so als sei das alles sehr dick aufgetragen, was durchaus stimmt. Trotzdem funktioniert es literarisch ausgezeichnet und hebt sich positiv vom Eindruck der Beliebigkeit des ersten Bandes ab. Ich werde nun sicher auch die restlichen beiden Bände der Tetralogie lesen.
2. März 2008
Charles Dickens: Oliver Twist
(Audiobook unabridged)
Unter Klassikerfreunden wird immer gerne einmal über die literarische Qualität bestimmter Autoren gestritten. Dickens ist einer dieser Kandidaten. Balzac wäre ein weiterer. Der Brite zählt zweifellos zum Kernbestand des literarischen Kanons und wird nicht nur im angelsächsischen Raum aufs Podest gestellt. Man schlage dazu die Artikel in der Britannica nach, wo er es sogar in die Macropeadia geschafft hat.
Dieser Glorifizierung wird gerne entgegen gehalten, dass Dickens Romane überschätzt würden. Vieles, speziell das frühe Werke sei schnell geschriebene Serienware, gespickt mit Kolportage. Damals wie heute gute Unterhaltung, aber keine erstrangigen Sprachkunstwerke.
Lese bzw. höre ich in diesem Fall ein Werk Dickens, erscheint mir diese Diskussion sehr plausibel, spielt sie sich doch bei mir selbst ab. "Oliver Twist", in Fortsetzungen 1837/38 erschienen, bietet hier besonders gutes Anschauungsmaterial, ist der Plot doch vollgestopft mit unwahrscheinlichen Sentimentalitäten aller Art, wozu arme, ausgebeutete Kinder unter grausamen Erwachsenen naturgemäß vorzüglichen Stoff abgeben. Trotz einiger Toter gibt es ein rührendes happy end, versteht sich.
Nun könnte man den Roman als abgekanzelt beiseite legen, wäre da nicht die großartige andere Seite. Dickens ist ein Meister der Figurenzeichnung. Viele seiner Charaktere erlangen eine eindringliche Lebendigkeit wie man sie nur selten in der Literatur antrifft. Mag Oliver Twist hier kein gutes Beispiel sein, ist es die Bevölkerung der brillant beschriebene Halbwelt Londons sehr wohl. Die Welt der Armen schildert Dickens nicht nur ohne Scheuklappen, sondern steckt seine bürgerlichen Leser kopfüber in den Morast ihrer verdrängten Umwelt. Die Sentimentalität Dickens wird durch seine tiefe Humanität mehr als ausbalanciert: Für einen Fortsetzungsroman ist das Werk auch erstaunlich stringent komponiert. Es gibt kaum einen Handlungsstrang oder eine Motivreihe, die nicht souverän zu Ende gebracht wird.
Gerade diese Zweideutigkeit ist es, die Dickens interessant macht. Man kann viel von ihm lernen, wie gute Literatur funktioniert, eben weil in seinem Frühwerk manches nicht perfekt ist. Meine Prognose: Man wird diese Grundsatzdiskussion noch sehr lange führen und man wird Dickens noch viel länger lesen.
Carl Sagan: The Demon- Haunted World. Science as a Candle in the Dark
(Random House)
Ein aufgeklärter Mensch, der seine Urteile gerne auf wissenschaftlich abgesicherten Fakten und rationalen Prinzipien basierend trifft, hat es heute wohl nicht leichter als vor 200 Jahren, wenn er als Skeptiker auf die seltsamen Umtriebe seiner Mitmenschen blickt. Ein Blick etwa in den Kleinanzeigenteil des Wiener Falters reicht völlig aus, um sich besorgt zu fragen, was ein paar Jahrhunderte an Aufklärung und ein modernes Bildungswesen eigentlich bewirkt haben, angesichts des alten (Wahrsagerei, Astrologie...) und neuen (Esoterik, modische Psychotherapien...) Aberglaubens, der fröhliche Urständ feiert. Diese weitverbreitete Schizophrenie ist insofern beachtlich als dieselben Menschen, die in Fragen der Weltanschauung sich freiwillig irgendwo zwischen Neolithikum und der wissenschaftlichen Revolution der Neuzeit ansiedeln, sich dieser hier ignorierten Prinzipien dort so gerne bedienen, wenn sie Hightech-Medizin in Anspruch nehmen oder zum Einkaufen nach Paris fliegen.
Aufklärung tut also immer noch not, weshalb es begrüßenswert ist, wenn sich Intellektuelle wie Carl Sagan (oder in letzter Zeit Richard Dawkins) dieses mühseligen Geschäftes annehmen, und mit offenkundigen Unsinn so lange ihre Zeit verschwenden bis sie diesen widerlegt haben. Sagan lässt in diesem Buch die größten Dummheiten der Gegenwart (und auch einige der Vergangenheit) Revue passieren, um diese ebenso kompetent wie süffisant zu widerlegen. Der Schwerpunkt liegt auf amerikanischen Albernheiten (so die Ufohysterie), die freilich zu großen Teilen globalisiert anzutreffen sind. Die Lektüre verrät viel über den geistigen Zustand unserer Welt. Es bleibt aber zu befürchten, dass auch dieses Buch nicht von den Menschen gelesen wird, die etwas Aufklärung dringend benötigen würden.
23. Februar 2008
Ulrich Sinn: Die 101 wichtigsten Fragen. Antike Kunst
(becksche reihe)
Normalerweise bin ich kein Freund von derartigen Reihen und finde solche Buchkonzepte im besten Fall seltsam, aber Ulrich Sinns kleine Einführung in die antike Kunst ist durchaus lesenwert. Selbst wer schon viel über das Thema gelesen hat, findet manche interessante neue Aspekte, da Sinn das Thema oft sehr pragmatisch angeht, und sonst entlegene Informationen intelligent zusammenfasst. Etwa wie lange man an einer Statue gearbeitet hat u.ä.
Der größte Einwand: Es gibt zu wenige Abbildungen. Einige sind über das Büchlein verstreut, aber oft ist von Werken die Rede, von denen es keine Reproduktionen gibt. Zwar kann der Autor diese ganz anschaulich beschreiben, aber das ist kein Ersatz für ein Foto. Außerdem verspricht der Titel mehr als er halten kann: Ägyptische Kunst kommt nur am Rande vor, andere alte Zivilisationen überhaupt nicht. Der Fokus liegt auf der griechischen und römischen Kunst. Abgesehen davon, eine sehr lesenswerte Angelegenheit.
Bibliothek: Neuzugänge
Drei neue Bücher sind zu vermelden. Machiavellis "Discourses on Livy" ist ein selten gelesenes Hauptwerk des Autors, das so manche Thesen aus dem "Fürsten" in einem neuen Licht erscheinen lässt. Meiner Schwäche für enzyklopädische Überblickswerke gab ich mit dem Kauf von Peter Watsons achthundertseitigen Ideengeschichte nach. Judith Herrins neue Studie über das byzantinische Reich wird als neues Standardwerk gehandelt.
| Autor |
Titel |
Verlag |
Kommentar |
| Niccolo Machiavelli |
Discourses in Livy |
Chicago University Press |
Chicago 1996 |
| Peter Watson |
Ideas. A History of Thought and Invention |
Harper Collins |
New York 2005 |
| Judith Herrin |
Byzantium The Surprisingly Life of a Medieval Empire |
Princeton University Press |
Princeton 2008 |
17. Februar 2008
Wagner: Der fliegende Holländer
(Staatsoper 12.2.)
Dirigent: Ulf Schirmer
Daland: Walter Fink
Senta: Nina Stemme
Erik: Klaus Florian Vogt
Mary: Janina Baechle
Steuermann: Cosmin Ifrim
Der Holländer: Alan Titus
Schon die Ouvertüre zeigte, dass es sich musikalisch um keine Routineinterpretation handelte, gab es doch eine ungewöhnlich lange Pause vor dem Einsetzen des lyrischen Motivs. Dieser musikalische Gestaltungswille zog sich erfreulicherweise durch die gesamte Aufführung. Der vokale Part war selbst in den Nebenrollen brillant, was (wie im Mai letzten Jahres) erneut einen erstklassigen Opernabend ergab. Soweit ich das aktuelle Repertoire überblicke, gehört der "Fliegende Holländer" musikalisch nun seit längerer Zeit zum Besten, was die Staatsoper zu bieten hat.
Verdi: Aida
(Staatsoper 13.2.)
Dirigent: Zubin Mehta
nach einer Inszenierung von: Nicolas Joel
König: Dan Paul Dumitrescu
Amneris: Marianne Cornetti
Aida: Hui He
Radames: Salvatore Licitra
Ramphis: Ain Anger
Amonasro: Marco Vratogna
Bote: Gergely Németi
Priesterin: Simina Ivan
Diese Inszenierung sah ich zum ersten Mal und man muss bei allen ästhetischen Vorbehalten einräumen: Die Opulenz der Aufführung ist beeindruckend. In bester konservativer Operntradition nimmt man die Ausstattungsmaschinerie der Staatsoper zu Hilfe, um ein naturalistisches altägyptisches Bühnenbild zu entwerfen. Das ist durchaus geschmackvoll gelungen, die Kostüme stehen den Requisiten naturgemäß um nichts nach. Kurz: Ein beeindruckendes Opernspektakel wird geboten.
Das wirkt in Zeiten des Regietheaters natürlich alles putzig anachronistisch. Musikalisch war der Abend überwiegend gelungen. Die Besetzung war hochkarätig, zu Beginn gab es allerdings unausgewogenen Ensemblegesang. Grandios der Chor der Wiener Staatsoper. Verdis Opernkunst zeigt sich in "Aida" am klassischen Höhepunkt. Eine brillante Melodie folgt drei Stunden lang auf die nächste. So überrascht es nicht, dass Thomas Mann im berühmten "Grammophon" Kapitel des "Zauberbergs" das Finale der "Aida" zur literarischen Verarbeitung auswählte. Verdis Kunst besteht darin, komplexe formale Techniken mit einer scheinbar eingängigen Oberfläche zu versehen. Man kann als Analogie dabei auch an Raffael denken, dessen Gemälde so natürlich wirken, obwohl sie streng geometrisch komponiert sind.
16. Februar 2008
Simon Stephens: Motortown
(Akademietheater 4.2.)
Regie: Andrea Breth
Lee: Markus Meyer
Danny: Nicholas Ofczarek
Marley: Johanna Wokalek
Tom: Jörg Ratjen
Paul: Wolfgang Michael
Jade: Astou Maraszto
Justin: Udo Samel
Helen: Andrea Clausen
Der Brite Simon Stephens führt in seinem Stück "rücksichtslos" die verheerenden psychologischen Konsequenzen des Irakkriegs vor Augen. Danny, grandios gespielt von Nicholas Ofcarek, kehrt traumatisiert aus dem Südirak in sein London der Unterprivilegierten zurück. In einzelnen, scharf geschnittenen Szenen zeigt Stephens einen durch den Krieg ruinierten Menschen in einer menschlich verwahrlosten Umwelt. Man muss immer wieder an "Woyzeck" denken: "Motortown" erinnert sowohl von der Hauptfigur als auch von der Ästhetik an Büchners Klassiker. Zumal in beiden Stücken ein Mord im Mittelpunkt steht. Dannys sadistische Tat, das Quälen und die Ermordung eines vierzehnjährigen Mädchens, inszeniert Andrea Breth so schockierend realistisch, dass mehrere Zuseher das Theater verlassen.
Auch sonst belegt Breth mit dieser brutalen Milieustudie einmal mehr, dass sie zu den besten Theatermacherinnen im deutschsprachigen Raum zählt. "Motortown" zeigt, wie gute Gegenwartsdramatik aussehen kann, speziell, wenn es mit einem so großartigen Ensemble umgesetzt wird.
Rudolf Brändle: Zeugenfreundschaft. Erinnerungen an Thomas Bernhard
(Suhrkamp Taschenbuch)
Dieser kleine Band ist für Bernhard-Leser eine interessante Lektüre. Rudolf Brändle war der in "Die Kälte" enthusiastisch beschriebene Freund, den Bernhard in der Lungenheilanstalt Grafenhof kennenlernte, und mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Brändle erzählt nun seine Version dieser Begegnung, und bestätigt einmal mehr, dass man Bernhards autobiographische Schriften unbedingt als Literatur lesen muss: Zwar ist Vieles tatsächlich autobiographisch, oft aber werden die Ereignisse literarisch sehr stilisiert oder gar frei erfunden.
Brändle beschreibt einen jungen, schüchternen und oft noch ziemlich kindischen jungen Mann, und gibt aufschlussreiche Einblicke auch in die Salzburger Zeit, die Bernhard in seiner Autobiographie ebenfalls ausführlich schildert. Die Erinnerungen sind differenziert und sachlich verfasst. Brändle versucht sowohl den damaligen Ereignissen als auch dem Charakter Bernhards möglichst unvoreingenommen gerecht zu werden.
9. Februar 2008
Robert Menasse: Die Vertreibung aus der Hölle. Roman
(Suhrkamp Taschenbuch)
In Zeiten, in denen der anglikanische Primas, Erzbischof Williams, über eine Teileinführung der Scharia in Großbritannien nach"denkt", ist ein Roman, in dem die spanische Inquisition eine zentrale Rolle spielt, nur im engeren Sinn des Wortes als "historisch" zu kategorisieren. Menasse lässt in "Vertreibung der Hölle" gut recherchiert und literarisch gekonnt das Portugal und die Niederlande des 17. Jahrhunderts auferstehen. Im Mittelpunkt steht der junge Samuel Manasseh, der spätere Lehrer des Baruch Spinoza, der mit seiner Familie von der Inquisition aus Portugal nach Amsterdam vertrieben wird. Samuel ist ein Vorfahre des Wiener Historikers Viktor Abravanel, dessen Familiengeschichte im Wien der Nachkriegszeit und in den siebziger Jahren den zweiten Handlungsstrang des Romans bestreitet. Beide Stränge sind inhaltlich und motivisch eng verknüpft, ab und an hätte man sich hier trotzdem mehr literarische Subtilität gewünscht.
Trotzdem sind aber die knapp fünfhundert Seiten des Romans gut investierte Lesezeit. Viele Motive weisen ihn beinahe als "klassischen" österreichischen Roman aus: Von den Qualen des katholischen Internats bis hin zur (ironisch gebrochenen) Kritik an Österreichs Verdrängungsvirtuosität reicht das Spektrum.
Das Buch wurde an verschiedenen Stellen als eine Art Romanbiographie des jüdischen Gelehrten Manasseh angepriesen. Das ist leider nur bedingt der Fall. Beide Handlungsebenen beschränken sich überwiegend auf die Kindheit und die Jugend der zwei Protagonisten. Kaum tritt Spinoza als Junge auf, geht das Buch dem Ende zu, was für uns philosophisch Interessierte natürlich enttäuschend ist.
31. Januar 2008
Neue Karl-Kraus-Editionen
Über die drei neuen digitalen Editionen schrieb ich einen Artikel für "Literatur und Kritik", der in der November-Ausgabe erschienen ist. Er ist nun auch online hier zu lesen.
Bibliothek: Neuzugänge
Den vorletzten Roman Menasses habe ich fast schon zu Ende gelesen: Rezension folgt. Smolin gibt angeblich einen ebenso kritischen wie interessanten Überblick über die aktuellen Entwicklungen in der Physik. Die ausgezeichnete Bernhard-Werkausgabe wächst sehr regelmäßig. Ein gut organisiertes Editionsprojekt.
27. Januar 2008
Empfehlungen (7): The Economist
Seit ein paar Monaten lese ich nun den Economist und frage mich, warum ich diese exzellente Zeitschrift nicht schon früher entdeckte. Eine Antwort liegt im Titel begründet: Ich hielt sie lange für eine renommierte Wirtschaftszeitschrift. Das ist sie auch, der Fokus liegt aber auf einer exzellenten Auslandsberichterstattung im politischen Bereich. Die Qualität ist erstaunlich und lässt alle mir bekannten Nachrichtenmagazine weit (weit!) hinter sich.
Die internationale Ausrichtung ist angesichts der Provinzialität selbst vieler Weltblätter erfrischend. "Britain" ist eine gleichberechtige Rubrik neben anderen und genießt keinen speziellen Status. Klassisches britisches Understatement das ebenfalls in vielen Artikeln zu finden. Diese sind in einem erstklassigen, wortschatzreichen Englisch geschrieben, nicht selten mit englischen Humor angereichert, und exzellent recherchiert. So erinnere ich mich an eine Analyse über das Krankenversicherungssystem in China, wo nicht nur alle statistischen Fakten (kritisch hinterfragt) zusammengetragen wurden, sondern der Autor auch entlegene Dörfer und Provinzstädte besuchte, um die Umsetzung in der Praxis anzusehen. Besser kann man Journalismus nicht betreiben. Kein Artikel ist aber namentlich gezeichnet.
Angereichert ist der Economist in jeder Ausgabe mit Schwerpunkten, den sogenannten "Briefings". Diese nehmen sich verschiedenste Themen (von Religionskriegen über einzelne Länder und Branchen bis hin zu Technologien) in einer Artikelreihe vor, die durchaus akademisches Niveau hat. Ich könnte jede Ausgabe fast komplett lesen. Nachdem meine Zeitungslektüre bisher vor allem durch internationale Interessen initiert war, habe ich im Moment kein Abo laufen, da der Economist völlig ausreicht, um einen über das Weltgeschehen anspruchsvoll auf dem Laufenden zu halten.
Ein Abo kostet 99 Euro und bietet damit mit ca. 2 Euro pro Ausgabe ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis. Hier geht es zu meinen anderen dringenden Empfehlungen :-)
Die österreichische Presselandschaft ...
... wird hier hübsch zusammengefasst.
Archäologie in Israel
Die neue Ausgabe der Antiken Welt 1/2008 widmet sich schwerpunktmäßig Palästina. Besonders interessant sind die Artikel rund um das neu entdeckte Grab des Herodes (samt archäologischen Kontext) sowie über die aktuelle Qumran-Debatte. Neue Erkenntnisse stellen hier die gängige Auffassung, dass in der Siedlung gelehrte Essener tätig waren, in Frage. Für an Israel Interessierte, noch ein Link auf meinen Reisebericht.
13. Januar 2008
Schiller: Wallenstein [3.]
(Werkausgabe & Burgtheater 5.1.)
Regie: Thomas Langhoff
Wallenstein: Gert Voss
Octavio Piccolomini: Dieter Mann
Max Piccolomini: Christian Nickel
Graf Terzky: Johannes Terne
Illo: Dirk Nocker
Isolani: Johannes Krisch
Buttler: Ignaz Kirchner
Herzogin von Friedland: Kitty Speiser
Thekla: Pauline Knof
Gräfin Terzky: Petra Morzé
Viel Glück hatte das Burgtheater nicht mit diesem "Wallenstein". Ursprünglich sollte Andrea Breth die Reihe ihrer ausgezeichneten Schiller-Inszenierungen fortsetzen: zwei Abende waren geplant. Breth musste leider (leider!) eine Auszeit nehmen und Thomas Langhoff sprang ein. Aus zwei Abenden wurde einer, womit wir schon am Kern des ästhetischen Problems angekommen sind.
Eine Kurzfassung aufzuführen, ist natürlich immer eine legitime Möglichkeit. "Der Sturm" im Akademietheater etwa bot eine originelle und deshalb stimmig geschrumpfte Version. Langhoff dagegen kürzte, ohne sein Regiekonzept einer "normalen" (modernen) Klassikerinszenierung aufzugeben. Die Konsequenz: Bildungsbürgerlicher Schiller in einer Digestfassung, die viel Bildungsgut wegkürzt. Ein seltsames Paradoxon.
Während man die "Die Piccolomini" und "Wallensteins Lager" ordentlich zusammenstutzte, fiel "Wallensteins Lager" komplett der Schere zum Opfer. Das ist besonders ärgerlich, weil sich Schiller hier auf der Höhe seiner Theaterkunst zeigt. Er bringt zum ersten Mal viel (Kriegs)volk als Hauptdarsteller auf die Bühne, und nimmt damit partiell Büchners "Woyzeck" vorweg. Zusätzlich greift er zum raffinierten Mittel der indirekten Einführung seiner Hauptfigur. "Wallenstein" ist an jedem Lagerfeuer präsent, ohne im ersten Teil der Triologie einen Auftritt zu haben.
Die viereinhalb Stunden lange Kurzfassung ist, sieht man von diesen grundsätzlichen Einwänden ab, nicht völlig misslungen. Vor allem, wenn man das Stück frisch gelesen noch im Gedächtnis hat, und damit die Kürzungen leichter verschmerzt. Gert Voss kann als Wallenstein nicht gänzlich überzeugen. Dieser Feldherr ist als eine Art gealterter Hamlet angelegt, ein intellektueller Zauderer. Diesen Typus verkörpert Voss gekonnt, dafür bleibt das Charisma eines Heerführers auf der Strecke und damit ein wichtiger Teil des Charakters der Figur. Christian Nickels Max Piccolomini, der beim Lesen an den moralischen Idealismus und das Feuer des Marqis de Posa erinnert, wirkt ähnlich blass.
Nach diesem Abend frägt man sich wieder einmal, warum keine der großartigen Inszenierungen der Breth ("Don Karlos", "Maria Stuart") mehr auf dem Spielplan steht.
2. Januar 2008
Notizen-FAQ
1. Gibt es einen RSS Feed?
2. Kann man auf einzelne Tageseinträge verlinken?
Ja, wenn jemand diese Mühsal auf sich nehmen will. Das Format sieht z.B. folgendermaßen aus: http://www.koellerer.de/q2-2007.html#TTMMJJ
Um auf den 26. Mai 2007 zu verlinken also:
http://www.koellerer.de/q2-2007.html#260507
3. Was hat es mit den Amazon-Links auf sich?
Nach langem Zögern fasste ich den Entschluss, die Notizen für das Amazon Partnerprogramm anzumelden. Wenn sinnvoll, verlinke ich Bücher auf Amazon mit meiner Partner ID "notizen-21". Entsprechende Bestellungen leisten dann einen kleinen Beitrag zu den Providerkosten. Natürlich kann man diese ID auch manuell bei jeder anderen Produkt-URL bei Amazon anhängen :-)
4. Warum kein klassisches Blog?
Einerseits stehe ich dem Bloggerwesen nach wie vor skeptisch gegenüber (siehe auch hier, andererseits scheue ich auch den Aufwand einer Migration. Entscheidend sind aber ohnehin die Inhalte, nicht die Technik :-)
5. Wie viele Besucher gibt es?
Bereinigt besuchen jedes Monat zwischen 10.000 und 13.000 Besucher ("unique visitors") die Notizen.
1. Januar 2008
Plato: Der Staat. Fünftes Buch (2.)
(Felix Meiner)
Dieses Buch enthält den gesellschaftspolitisch wohl radikalsten Vorschlag Platons: Die Aufgabe der klassischen Familie zu Gunsten eines geteilten "Besitzes" von Frauen und Kindern. Angereichert ist das mit einem charmanten Eugenikprogramm dahin gehend, dass der Staat durch Tricks besonders aussichtsreiche Erzeuger von Premiumnachwuchs zusammenbringt und auch dafür sorgt, dass diese öfters zur Kopulation schreiten dürfen wie von der Natur benachteiligte Paare:
Es müssen [...] die besten Männer so häufig wie möglich den besten Frauen beiwohnen, den schlechtesten dagegen den schlechtesten so selten wie möglich. Und die Kinder der ersteren müssen aufgezogen werden, die der anderen nicht, sofern die Herde auf voller Höhe bleiben soll. Und von allen diesen Maßnahmen darf niemand etwas wissen außer die Herrscher selbst [...]
[459]
Als Argument für dieses Arrangement bringt Sokrates die überragende Wichtigkeit des Zusammenhalts einer Gesellschaft ins Spiel, welcher durch dieses kommunitäre Zusammenleben optimiert würde.
Positiv davon setzt sich Platos Gleichheitsvorstellung zwischen den beiden Geschlechtern ab, speziell vor dem Hintergrund der altgriechischen Machogesellschaft betrachtet:
Es gibt also [...] keine die Staatsverwaltung betreffende Beschäftigung, die der Frau als Frau oder dem Manne als Mann zukäme; vielmehr sind die natürlichen Anlagen auf ähnliche Weise unter beiden Geschlechtern verteilt, und naturgemäß hat die Frau ebenso wie der Mann Anspruch auf alle Beschäftigungen, bei allen aber ist das Weib schwächer wie der Mann.
[455]
Im zweiten Teil des fünften Buchs kommt Plato auf eine seiner zentralen sozialphilosopischen Vorstellungen zu sprechen: Die Herrschaft der Philosophen, die er als Liebhaber der Wahrheit beschreibt. Um zu erläutern, was er damit meint, sind die letzten Seiten dieses Abschnitts einer ersten erkenntnistheoretischen Abhandlung gewidmet: Er unterscheidet zwischen Wissen und Meinung und führt damit eine epistemologische Skala ein, auf die er im Folgenden aufbauen kann.
Neue Balzac-Ausgabe
Der Diogenes Verlag hat eine gebundene Werkausgabe mit ausgewählten Romanen und Erzählungen herausgebracht, und zwar in einer "gründlich revidierten Übersetzung". Enthalten sind: 'Der Talisman oder Das Chagrinleder', 'Vater Goriot', 'Eug‚nie Grandet', 'Verlorene Illusionen', 'Glanz und Elend der Kurtisanen', 'Vetter Pons oder Die beiden Musiker', 'Tante Lisbeth'. Und sieben Erzählungen: 'Das rote Wirtshaus', 'Eine Leidenschaft in der Wüste', 'Sarrasine', 'Das unbekannte Meisterwerk', 'Colonel Chabert', 'Facino Cane', 'Das Mädchen mit den Goldaugen'.
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