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Notizen: Archiv

von Christian Köllerer



4. Quartal 2003




31. Dezember 2003

Warum Wien eine Musikstadt ist

    Die Abonnementkonzerte der Wiener Philharmoniker sind gegenwärtig ausverkauft. Sie können sich aber in unsere Warteliste eintragen, indem Sie in der Zeit zwischen dem 15. April und dem 15. Juni per Post ein Ansuchen einreichen, welches Jahr für Jahr neu gestellt werden muß, bis Ihr Abonnement frei wird. Ein Abonnement umfasst entweder 10 Samstagskonzerte, 10 Sonntagskonzerte oder zumindest 5 Soiréen. Die Wartezeit beträgt für die Samstags- und Sonntags-Abonnements voraussichtlich 13 Jahre und für die Soiréen etwa 6 Jahre.
    Quelle: Die Wiener Philharmoniker Homepage

Natürlich werde ich mich vormerken lassen :-)

Gerhard Amanshauser: Schloß mit späten Gästen. Satirischer Roman
(dtv)


Amanshauser gilt als Geheimtipp. Der Salzburger Schriftsteller hat eine Reihe von bemerkenswerten Büchern veröffentlicht, ohne je so bekannt zu werden, wie viele seiner österreichischen Kollegen. Eine traurige Angelegenheit, die sich auch auf dem Buchmarkt ablesen lässt: So gut wie keines seiner Bücher ist lieferbar.
Dieser kleine Roman zeichnet sich durch eine präzise Ironie aus. Amanshauser Affinität zu den Naturwissenschaften schlägt sich sprachlich in gelungen, ungewöhnlicher Metaphorik nieder. Im Mittelpunkt der Handlung steht das Bemühen, ein altes Schloss zu restaurieren und dieses als Kulturstätte zu nutzen, was eine Reihe von ungewöhnlichen Figuren zusammenbringt. Ein intelligentes Lesevergnügen.

Bibliothek: Neuzugänge

Autor Titel Verlag Kommentar
Hans Poser René Descartes. Eine Einführung Reclam UB Angeblich mehr als eine Einführung
Eckhard Weise Ingmar Bergman rororo monographie Begleitlektüre zur großen Retrospektive im Filmmuseum
Gerhard Nebel "Alles Gefühl ist leiblich". Ein Stück Autobiographie Marbacher Bibliothek Jahresgeschenk der Schillergesellschaft
Wilfried Barner u.a. (Hrsg.) Jahrbuch der Deutschen Schiller-Gesellschaft 2003 Kröner zahlreiche Aufsätze zur dt. Literatur


28. Dezember 2003

Nabokov: Die Gabe. Roman
(rororo)


Es gibt wenige Autoren zu denen ich ein so gespaltenes Verhältnis habe. Daran ändert auch die Lektüre der "Gabe" nichts, den ich als sechsten Roman von ihm las. Einerseits ist Nabokovs Kunstverstand bewundernswert. Im vorliegenden Werk spielt die russische Literatur eine der tragenden Rollen und die Verwobenheit dieser Ebene mit dem, was man traditionellerweise als "Handlung" bezeichnet, ist erstaunlich gut gelungen. Sprachlich stellt sich der Autor erneut als großer Prosakünstler heraus.
Andererseits erscheint mir Nabokovs Ästhetik regelmäßig als zu artifiziell-selbstverliebt. Er liebt das literarische Versteckspiel, das Führen auf falsche Fährten, das literarische Rätsel. Dagegen wäre nichts zu sagen, allerdings ist die Dichte dieser Kunstgriffe so hoch, dass Ermüdungserscheinungen nicht ausbleiben. Hinzukommt, dass der Roman ausführliche poetologische (und andere!) Abhandlungen enthält, deren Inhalte durchaus hinterfragbar sind. Das "Sperrige" des Romans ist nicht ohne Reiz, eine literarische Herausforderung, der man sich guten literarischen Gewissens stellen kann.

Ferdinand Raimund: Der Alpenkönig und der Menschenfeind
(Theater in der Josefstadt 28.12.)
Regie: Hans Gratzer
Astralagus: Erich Schleyer
Herr von Rappelkopf: Herbert Föttinger
Sophie: Sandra Cervik

Es geht aufwärts im Theater an der Josefstadt! Nach den indiskutablen ersten Inszenierungen der Saison wird nun wieder solide schlechtes Theater geboten. Die gestrige Aufführung war also durchaus satisfaktionsfähig: Man musste die Aufführung nicht fluchtartig verlassen und kann nun wieder auf Besseres hoffen.
Die schauspielerische Leistung nahm im Laufe des Abends zu. Das Hölzerne der Schauspieler zu Beginn, wurde im letzten Drittel durch solides Komödiantentum abgelöst. Die Inszenierung war harmlos, das Bühnenbild dezent. Die aufdringliche Didaktik des Stücks freilich wird durch die sprachlichen Pointen nicht wett gemacht, wie ja überhaupt in Wien der ästhetische Wert des Wiener Volkstheaters überschätzt wird.


27. Dezember 2003

Theater in der Josefstadt

Nicht nur an dieser Stelle war zu lesen, dass die ersten Inszenierungen der Ära Hans Gratzer nur als theatralische Peinlichkeiten bezeichnet werden konnten. Der Intendant zieht nun erfreulicherweise die Notbremse und entschuldigt sich erfreulicherweise schriftlich bei den Stammgästen seines Hauses:

    Sehr geehrter Herr Dr. Köllerer,
    es ist mir ein großes Anliegen, dass Sie sich als Abonnent im Theater in der Josefstaft auch weiterhin zu Hause fühlen. Ich weiß, dass dies bei den ersten Produktionen dieser Spielzeit nicht immer der Fall war. Aus diesem Grund möchte ich Ihnen einen Ausblick auf die zweite Hälfte der Spielzeit geben, in der wir uns auf das bewährte Ensemble und dessen schauspielerische Leistungen konzentrieren werden [...]
In diesem Fall werde ich mit meiner Abokündigung also noch ein paar Monate warten.

Bibliothek: Neuzugänge

Autor Titel Verlag Kommentar
Uwe Timm Am Beispiel meines Bruders Kiepenheuer & Witsch Weihnachtsgeschenk
Gerhard Amanshauser Schloß mit späten Gästen. Satirischer Roman dtv Gebraucht gekauft
Emmanuel Bove Dinah Fischer TB Gebraucht gekauft
Karen Duve Regenroman List TB Gebraucht gekauft
Georg Ostrogorsky Byzantinische Geschichte 324-1453 C.H. Beck Gebunden, gilt als Standardwerk. Gebraucht gekauft
Kazimierz Michalowski u.a. Die ägyptische Kunst WBG Restposten; sehr schöner Prachtband
Philip Kotler u.a. Grundlagen des Marketing Pearson Studium Gebraucht gekauft, es hilft nichts :-)

Albertina (Hrsg.): Albrecht Dürer

Der Katalog der Dürer-Ausstellung ist gut gelungen. Der großformatige Band enthält acht Aufsätze zu diversen Themen, die einen guten Einblick in den aktuellen Stand der Dürerforschung geben, ohne zu "esoterisch" zu sein.
Anschließend werden die gezeigten Werke einzeln ausführlich besprochen, was einen hervorragenden Einblick in das Schaffen des Malers gibt. Lesenswert!


21. Dezember 2003

Den Samstag vor Weihnachten ...

... verbringt man am besten im Museum! Bei meinem dritten Besuch der Francis-Bacon-Ausstellung (Kunsthistorisches Museum) waren die wenigsten Besucher bisher anwesend, also indirekt proportional zur Hysterie in den Wiener Einkaufsstraßen. Je öfter man Bacons Bilder ansieht, desto beeindruckender wirken sie.

Klassiker-Verlage (25): dtv

dtv tut sich in den letzten Monaten erfreulicherweise wieder mit Klassikerausgaben hervor: Die Neuübersetzung von Edward Gibbons "Verfall und Untergang des römischen Imperiums" ist ein besonders erfreuliches Beispiel. Erwähnenswert auch Herders "Italienische Reise".


14. Dezember 2003

Egon Friedell: Kulturgeschichte Ägyptens und des Alten Orients
(dtv)


Vor vielen Jahren las ich Friedells "Kulturgeschichte Griechenlands", an die ich mich als gut geschriebene Einführung erinnere. Warum also nicht eine ausführlichere Beschäftigung mit dem alten Ägypten mit Friedell beginnen?
Ich traute meinen Augen kaum, welchen Unsinn das erste, einführende Kapitel enthält. Der Autor zieht noch die schrägsten "Theorien" heran, um einige seiner weltanschaulichen Hypothesen ("Geschichte ist eine Vision und ein Glaube", S. 31) zu rechtfertigen. Wer also wissen will, was die Vorläufer Erich von Dänikens in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts so schrieben, wird hier mit konzisen esoterischen Zusammenfassungen bedient.
Dass "grober Unfug" noch eine schmeichelhafte Bewertung ist, mögen folgende Beispiele illustrieren:

    So materialistisch-biologisch lässt sich das Rätsel [der historischen Vision; CK] freilich nicht lösen. Sondern durch Gottes prästabilierte Harmonie stehen wir mit allen Kreaturen, die er je geschaffen, in dauernder Kryptogamie. (S. 33)

    Aber bei den Atlantiern war die Telepathie zur Telekinese und Teleplastik gesteigert, zur Kraft der Fernbewegung, Fernstrahlung und Materialisation. Wenn uns dies märchenhaft vorkommt, so kommt es daher, daß wir zwei Fähigkeiten verloren haben, die sie noch besaßen. (S. 44)

    Und als drittes größtes Übel [in Atlantis!; CK] trat hinzu der Verstand, das rationelle Denken, das magische Kräfte versiegen machte. Die Atlantier lernten urteilen und schließen, kalkulieren und kombinieren und verloren darüber die mystische Gemeinschaft mit der Natur [...] Und mit dem Urteil erwachte der Dünkel, mit dem Kalkül der Eigennutz. Und Atlantis versank [...] [S.46/47]

    Indes sind wir der Meinung, daß in den Erdzeitaltern und ihren charakteristischen Faunen und Floren nicht lediglich geologische und paläontologische, sondern in erster Linie metaphysische Kategorien zu erblicken sind. Die Saurier verschwanden, weil ihre Zeit um war [...] Es sind die Gedanken Gottes die kommen und gehen [...] (S. 53)

Das ist nun alles sehr amüsant und vergnüglich zu lesen, insbesondere wenn man sich für die Irrationalismen der Vorkriegszeit interessiert. Die Frage, wie man in den dreißiger Jahren in der Stadt des Wiener Kreises noch solchen Unsinn schreiben konnte, stellt man allerdings besser nicht.

Klangforum Wien
(Konzerthaus 8.12.)
Björn Wilker: "seine stimme" (2003)
Brice Pauset: Symphonie Nr. 1 (2001)
Salvatore Sciarrino: "quaderno di strada" (2003)
Bariton: Otto Katzameier
Klavier: Marino Formenti
Dirgent: Sylvain Cambreling


Drei sehr junge Werke standen diesmal auf dem Programm des Klangforums. Je mehr Neue Musik ich höre, desto öfter habe ich den Eindruck: Es klingt doch vieles sehr ähnlich. Die formalen Möglichkeiten (sofern sie hörbar sind) wiederholen sich: Klangfarbenschattierungen, dynamische Konstellationen, konstrastierende Strukturen.
Besonders bei dem Werk Björn Wilkers kam mir das Gehörte sehr bekannt vor. Der "Liederzyklus" Sciarrinos dagegen war höchst spannend anzuhören, was auch mit der großen Vokalkunst Otto Katzameiers zusammenhängt, dessen Stimme ein unglaublich weites Klangspektrum umfasst.


9. Dezember 2003

Samuel Beckett: Molloy. Roman
(suhrkamp taschenbuch)


Aus nicht nachvollziehbaren Gründen beschäftigte ich mich bisher ausschließlich mit dem dramatischen Werk Becketts und vernachlässigte sein erzählerisches Oeuvre. Ein großer Fehler wie die Lektüre von Molloy zeigte. Beckett beschäftigt sich darin mit ähnlichen existenziellen Fragestellungen wie in seinen Stücken. Der Eindruck ist teilweise sogar stärker, was mit der gewählten Erzählperspektive zusammenhängt: Bei Molloy handelt es sich in beiden Teilen des Buches um einen Ich-Erzähler, dessen treuherzige Erzählweise in direktem Kontrast zum Geschilderten steht, insbesondere zu der vergleichsweise abstrakten fiktionalen Umwelt des Romans.
Der Beckett-Artikel in der Britannica beschreibt die Welt des Autors sehr treffend so:

    The widespread idea, fostered by the popular press, that Beckett's work is concerned primarily with the sordid side of human existence, with tramps and with cripples who inhabit trash cans, is a fundamental misconception. He dealt with human beings in such extreme situations not because he was interested in the sordid and diseased aspects of life but because he concentrated on the essential aspects of human experience. The subject matter of so much of the world's literature - the social relations between individuals, their manners and possessions, their struggles for rank and position, or the conquest of sexual objects - appeared to Beckett as mere external trappings of existence, the accidential and superficial aspects that mask the basic problems and the basic anguish of the human condition.

Böse Zellen
(Filmcasino 1.12.)
Regie: Barbara Albert


Ein klassischer Autorenfilm: Mit vergleichsweise avancierten ästhetischen Mitteln wird das triste Leben von Kleinstadtbewohnern gezeigt. Verschiedene Lebensgeschichten fließen lose geknüpft ineinander und thematisieren die klassischen Probleme (Liebe, Tod, Sinnsuche). Man kennt das alles schon, die Tristesse der Provinz, das kleinbürgerliche Milieu, kurz das Genre. Warum man sich das nun alles noch einmal ansehen soll, kann der Film nicht schlüssig beantworten.


8. Dezember 2003

Gambling, Gods and LSD
(Filmcasino 7.12.)
Regie: Peter Mettler


Den "Zustand der Menschen" wolle er darstellen, erklärt Peter Mettler am Ende des dreistündigen Films einem indischen Fischer, der ihn nach seinen Motiven befragt. Ergänzen könnte man, dass es dem Filmemacher um den geistigen Zustand der Menschen zu tun ist. Die Stationen seines ambitionierten Dokumentarfilms sind Toronto, der Südwesten der USA, Las Vegas, die Schweiz und Zürich, sowie Südindien. Mettler läßt einzelne Menschen ausführlich sowohl über ihre Erfahrungen mit Religion als auch über Drogenkonsum berichten. Ergänzt wird dies durch das Zeigen religiöser Massenveranstaltungen (Christen in Toronto, hinduistische Pilgerströme in Indien) sowie diverse Abstrusitäten.
Lässt man Mettlers Bilder drei Stunden lang auf sich wirken und wird Zeuge des - diplomatisch formuliert - seltsamen Verhaltens mancher Artgenossen, so erhält man einen ziemlich unvorteilhaften Eindruck vom geistigen "Zustand des Menschen". Die Übergänge von religiösen zu psychologisch-klinischen Verhaltensmuster sind fließend, und man bekommt wieder einmal deutlich vor Augen geführt, zu welchen Fanatismus Menschen fähig sind. Aus dieser Perspektive eignet sich der Film als anthropologische Materialsammlung zu den zahlreichen gewalttätigen Religionskonflikten der Gegenwart.
Visuell zieht Mettler alle Register, was "Gambling, Gods and LSD" einen hohen Schauwert verleiht und ihn von anderen Werken dieses Genres wohltuend abhebt.

Bibliothek: Neuzugänge

Autor Titel Verlag Kommentar
Thomas Mann Lotte in Weimar. 2 Bände S. Fischer Druckfrisch ein neuer Band der GKFA.
A.E. Taylor Plato. The Man and his Work. Dover Paperback klassische Studie der Platonforschung
Michael Bussmann; Gabriele Tröger Türkei Mittelmeerküste Michael Müller Reisehandbuch knapp 700 Seiten

Shakespeare im Kaukasus

Neal Ascherson publizierte in der The New York Review of Books 18/2003 einen sehr lesenswerten Aufsatz über den Krieg zwischen Armenien und Aserbaidshan und fühlt sich an die Welt Shakespeares erinnert:
    Characters from his plays infest the Caucasus: heroes of stainless nobility and courage, villains steeped in treachery and cruelty, clowns and conquerors, fools in love with their fantasies, creatures from the pit who hobble out of the darkness to the throne. No wonder that the Rustaveli Theater in Tbilisi, Georgia, has mounted some of the most powerful productions of the tragedies and histories.

Rezensionen per E-Mail

"Review-a-Day" nennt sich der E-Mail-Service von Powells.com, der folgendes beinhaltet:
    Mondays: The Christian Science Monitor
    Tuesdays: The Atlantic
    Wednesdays: The New Republic
    Thursdays: Esquire
    Fridays: Salon.com
    Saturdays: Powell's staff members
    Sundays: The Times Literary Supplement (London)


30. November 2003

"Sparta"

So der Titel der von der SZ gelobten neuen Studie Lukas Thommens. Untertitel: "Verfassungs- und Sozialgeschichte einer griechischen Polis".

Tschechow: Drei kleine Romane
(Friedenauer Presse)


Wie alle Bücher der Friedenauer Presse, ist auch dieser Tschechow-Band sehr schön gemacht, wobei sowohl das Buch als Gegenstand als auch die Qualität der Texte angeht, wofür der Übersetzer Peter Urban bürgt. Enthalten sind "Eine langweilige Geschichte", "Das Duell" sowie "Erzählung eines Unbekannten", in deren Mittelpunkt jeweils Intellektuelle an Wendepunkten ihres Lebens stehen.


29. November 2003

Uwe Timm: Die Entdeckung der Currywurst. Novelle
(dtv)


Eine mit sanfter Ironie und genauer Sprache erzählte Liebesgeschichte, die in den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs spielt. Überzeugende Figuren, adäquate Sprache, differenzierte Beschreibung der Zeit, kurz: Uwe Timm kann erzählen. Formal ist die Novelle allerdings vergleichsweise schlicht und "straight forward" angelegt.

Bibliothek: Neuzugänge

Autor Titel Verlag Kommentar
Dieter Kühn Beethoven und der schwarze Geiger Fischer TB Auf der Bücherbörse erworben
George Sand Ein Winter auf Mallorca Büchergilde Gebunden; auf der Bücherbörse erworben
Heimito von Doderer Tangenten. Aus dem Tagebuch eines Schriftstellers 1940-1950 dtv auf der Bücherbörse erworben
Jan Graf Potocki Die Handschrift von Saragossa Diana TB regulär erworben
Peter Watson Das Lächeln der Medusa Goldmann "Die Geschichte der Ideen und Menschen, die das moderne Denken geprägt haben"


16. November 2003

A.N. Wilson: Paul. The Mind of the Apostel
(Norton Paperback)


Zentrale These des Buchs ist, dass Paulus der "eigentliche" Gründer des Christentums (wie wir es kennen) ist. Ohne ihn hätte sich das Christentum schwerlich vom Judentum gelöst und eine eigene Weltreligion begründet. Grund für diesen Erfolg war, neben vielen kontingenten "Nebenbedingungen", Paulus' erfolgreiche Mythologisierung des neuen Glaubens. Förderlich war auch sein großer Pragmatismus in diversen religiösen Äußerlichkeiten (Essensvorschriften usw.). Viele zentale Glaubensinhalte, etwa das Konzept von "Christus" gingen auf den Apostel zurück. Um dies zu belegen, schildert der Autor kenntnisreich die Situation der frühchristlichen Gemeinden im römischen Reich und räumt mit einer Reihe von Legenden auf. Dabei zeigt sich Wilson in verschiedenen Fächern gut beschlagen, etwa in der Quellenkritik der Texte des Neuen Testaments, speziell der Apostelgeschichte und der Paulus Briefe.
Kritisch anzumerken wäre vielleicht Wilsons (durchaus kritischer) Enthusiasmus für seinen Gegenstand. Um seine aus rationaler Perspektive seltsamen Doktrinen zu rechtfertigen, vergleicht ihn Wilson mit romantischen Dichtern. Womit immerhin eingeräumt ist, dass man ihn beim besten Willen nicht zu den antiken Philosophen zählen kann.
Wer sich für Geistesgeschichte interessiert, wird an diesem Buch trotzdem seine Freude haben.

Anton Tschwechow / Olga Knipper: Krokodil meines Herzens. Eine Liebesgeschichte in Briefen
(Akademietheater 13.11.)


Kein Buch, wie man angesichts des Titels meinen könnte, sondern eine szenische Lesung. Eine herausragende Regina Fritsch und ihr Schauspielerkollege Gerd Böckmann lasen Auszüge aus dem Briefwechsel. Das Theater verlässt man nach diesem sehr gelungenem Abend mit dem dringenden Bedürfnis, Tschechow zu lesen. Anlass war übrigens der nächstes Jahr bevorstehende 100. Geburtstag des Autors, der hoffentlich den "Buchmarkt" in Sachen Tschwechow etwas beleben wird.

Bibliothek: Neuzugänge

Autor Titel Verlag Kommentar
Thomas Bernhard Werke Band 1: Frost Suhrkamp Hrsg. von Martin Huber und Wendelin Schmidt-Dengler
Thomas Bernhard Werke Band 2: Verstörung Suhrkamp Hrsg. von Martin Huber und Wendelin Schmidt-Dengler
Thomas Bernhard Werke Band 14: Erzählungen. Kurzprosa Suhrkamp mit Erstdrucken
Uwe Timm Die Entdeckung der Currywurst. Novelle dtv Sonderausgabe
John Rawls Eine Theorie der Gerechtigkeit suhrkamp taschenbuch wissenschaft GebundeneSonderausgabe
ADAC Reiseführer München ADAC Geplant ist eine Museumstour
Hans Raffée; Bodo Abel Wissenschaftstheoretische Grundfragen der Wirtschaftswissenschaften Vahlen Antiquarisches Schnäppchen
Norbert Wehr (Hrsg.) Schreibheft Nr. 61: Die andere Moderne vor Orwell and Pynchon dtv frisch aus der Druckerei

15. November 2003

Die neue Thomas-Bernhard-Ausgabe ist da!

Lange hat es gedauert, bis bei Suhrkamp nun die ersten drei Bände der neuen Werkausgabe erschienen sind. Das Warten hat sich jedoch gelohnt. Die Bände sind sehr schön, in klassisch weißen Design gehalten. An Papier und Satzspiegel ist ebenfalls nichts auszusetzen: Bücher auf einem Niveau die zu dem des Autors passen.
Zu haben sind nun die ersten beiden Bände (Frost, Verstörung) sowie - besonders interessant - Band 14 mit Erzählungen und Kurzprosa. Hier sind einige Erstdrucke enthalten, nämlich Erzählungen aus den fünfziger Jahren.
Angelegt ist die Edition als Leseausgabe, weshalb sich die Kommentare in engen Grenzen halten. Auf editorische Bemerkungen und das eine oder andere Faksimile hat man jedoch nicht verzichtet. Es zeigt sich wieder, dass es Suhrkamp ausgezeichnet versteht, Werkausgaben zu verlegen.

Tolstois "Sämtliche Erzählungen" wieder lieferbar

Noch eine gute Tat des Verlagshauses Suhrkamp: Der Insel Taschenbuchverlag hat in einer schönen Kassette, die fünf Bände enthält, wieder "Sämtliche Erzählungen" Lew. N. Tolstois.

Nestroy: Mann, Frau, Kind
(Theater in der Josefstadt 8.11.)
"Regie": Hans Gratzer

Hans Gratzer, der neue Herr des Hauses, scheint sich vorgenommen zu haben, das Theater in der Josefstadt zu ruinieren. Man wäre versucht zu glauben, es handele sich um eine Racheaktion des ehemals progressiven Theatermachers am "konservativsten" Theater in Wien, wären da nicht die treuherzigen Rechtfertigungen in diversen peinlichen Interviews.
Die ersten Inszenierungen des Hauses waren Theaterkatastrophen ersten Ranges. Sucht man nach beschreibenden Begriffe, trifft man mit "Infantiliät" wohl die "Qualität" der Aufführungen am Besten.
Auch das frühe Zauberstück Nestroy wurde knallbunt und knalldumm auf die Bühne gebracht. Gratzer versucht in seinen öffentlichen Äußerungen das Publikum, dem der neue Kurs sehr gut gefalle, gegen die bösen Kritiker auszuspielen. Er möge sich einmal die entsetzten Blicken im Publikum ansehen, die Stammbesucher angesichts dieser ästhetischen Zumutungen austauschen.


9. November 2003

Dogville
(Filmcasino 3.11.)
Regie: Lars von Trier


Reduktion ist wohl der Begriff, der zur Ästhetik des Films am Besten passt. Lars von Trier ist ein großes Wagnis eingegangen, was sofort deutlich wird, wenn man seine Vorgehensweise in Worte fasst: Sein Film beruht auf einer Kombination von Elementen aus der Film-, Theater- und Literaturästhetik. Der Film liefert neben der "Technologie" eine Reihe von klassischen Beiträgen zum Gesamtwerk durch Kameraeinstellungen und durch Anspielungen auf diverse Genres. Das Theater steuert buchstäblich die Bühne bei, angereichert mit spärlichen Requisiten, sowie die Choreographie auf beschränktem Raum. Auch die Länge des Films, drei Stunden, erinnert mehr an einen Theater- als an einen Kinoabend. Die Literatur schließlich, genauer die Romanästhetik, stellt nicht nur einen auktorial-ironischen Erzähler und die Gliederung in Kapitel bei, sondern auch den Anspruch, die gesellschaftliche Wirklichkeit pars pro toto durch einen kleinen Ausschnitt zu beschreiben.
Die Kombination dieser Mittel soll funktionieren? "Theoretisch" kann das gar nicht der Fall sein: Wie passt eine avantgardistisch-reduktionistische Bühne zu einem klassischen Erzähler? Dazu explizite Anleihen beim Gangsterfilm? Das höchst Erstaunliche: Das Ergebnis ist ein in sich stimmiges Kunstwerk.
Wenn es richtig ist, dass sich große Kunst oft durch die gelungene Kombination von radikaler Innovation und Traditionsbezug auszeichnet, sowie durch das Aufbrechen eingefahrener ästhetischer Formen, ist Lars von Trier ein Meisterwerk gelungen. Aufgrund dieser Leistung spielen inhaltliche Bedenken - die Stilisierung der leidenden Frau - eine untergeordnete Rolle, zumal die "Pointe" des Films, dieses Motiv radikal aufhebt.

Verdi: Falstaff
(Staatsoper 4.11.)
Regie: Ernst Dunshirn
Dirigent: Fabio Luisi
Falstaff: Bryn Terfel


Eine für die Staatsoper vergleichsweise frische Inzensierung, soweit ich das von einem "sehbinderten" Platz aus beurteilen konnte. Bryn Terfel gab nicht nur musikalisch einen hervorragenden Falstaff, sondern zeigte für einen Opernsänger ungewöhnliches schauspielerische Talent. Musikalisch noch frisch und motiviert gespielt. Kurz nach der Premiere ist von blasierter Routiniertheit noch nichts zu hören, wie sonst ab und zu bei der hundertdreizehnten Aufführung einer Inszenierung. Kurz: Empfehlenswert.

Antunes: Anweisungen an die Krokodile. Roman
(Fischer-TB)


Antunes wurde hier schon öfters gelobt und seine literarischen Tugenden sind auch bei diesem Roman unverkennbar. In erster Linie ist hier seine "Sprachgewalt" zu nennen sowie der Einsatz von modernen Erzählverfahren.
Die Lektüre des Buches lässt sich mit der Lösung eines Puzzles vergleichen. In jeweils abwechselnden inneren Monologen (die technisch gar keine sind, da sie regelmäßig unterbrochen werden) schildern vier Frauen ihre Beteiligung an der rechtsradikalen Terroristengruppe "Krododile". Jedes "Erinnerungskapitel" umfasst mehrere Zeitebenen, so dass sich mit fortschreitender Lektüre der Inhalt des Romans zusammensetzt und die Bezüge der verschiedenen Erinnerungen aufeinander deutlich werden.
Wenn man etwas Negatives über "Anweisungen an die Krokodile" sagen will, dann dass Antunes dieses Schema bezogen auf die Länge des Romans (450 Seiten) etwas überstrapaziert.

Das intellektuelle Amerika wacht auf

Wie schon am 18.10. angemerkt, die publizistische Kritik an der amerikanischen Regierung wird schärfer. Viele in den letzten zwei Jahren geschriebene kritische Bücher erscheinen nun sukzessive.
Als Neuzugänge sind zu vermelden:

    Bushwhacked: Life in George W. Bush's America
    by Molly Ivins and Lou Dubose
    Random House, 347 pp., $24.95
    Big Lies: The Right-Wing Propaganda Machine and How It Distorts the Truth
    by Joe Conason
    Thomas Dunne/St. Martin's, 245 pp., $24.95
Vorgestellt von Paul Krugman in der The New York Review of Books Nr. 18.


2. November 2003

Francis Bacon und die Bildtradition
(Kunsthistorisches Museum)


Seit der großen Bacon Retrospektive im Münchener Haus der Kunst vor einer Reihe von Jahren, faszinieren mich die abgründigen Gemälde Bacons. Die Ausstellung im KHM zeigt mit ca. 60 Gemälden einen repräsentativen Ausschnitt des Lebenswerks. Bacons Portraits zeigen - oft im buchstäblichen Sinn - zerissene Menschen. Anders als Picassos kubistische Darstellungen, sind Bacons Figuren mit einer schonungsloseren, kompromisslosen Direktheit dargestellt. Oft nur Fleischpakete, die gerade noch als Menschen erkennbar sind. Formal ausbalanciert wird dieser organische Extremismus durch klar gegliederte Bildräume sowie die Verwendung von geometrischen Formen zu höchst unterschiedlichen Zwecken.
Die Bilder gehören sicher zu den düstersten Werke des letzten Jahrhunderts, was wohl einen großen Teil ihrer Anziehungskraft ausmacht. Besonders beeindruckend die Papstbilder. Bacon bezog sich implizit und explizit auf berühmte Vorbilder. Die Ausstellung zeigt eine Reihe von Klassikern (u.a. Velazques, Rembrandt, Giacometti) um diese Bezüge offen zu legen.
Eine sehr beeindruckende Schau, die wiederholte Besuche verdient.

Wo sind die Klassiker?

Es wurde hier schon des öfteren geklagt, dass die Verlage immer weniger und immer schlechtere Klassikerausgaben verlegen. Dass dies ein internationales Phänomen sei, beklagt der Pianist und Musikgelehrte Charles Rosen in seinem sehr lesenswerten Essay "Culture in the Market" in der 40-Jahre-Jubiläumsausgabe der "New York Review of Books". Er vergleicht darin die verlegerische Situation in den angelsächsischen Ländern mit Italien, Frankreich und Deutschland und zieht kein sehr erfreuliches Fazit. Früher hätte es überall eine bessere Verfügbarkeit der Klassiker gegeben:

    At the end of the nineteenth century, the European model for printing the national heritage was the elegant pocket-sized volumes bound in cloth or leather published in Germany by Insel. These were imitated in France by Gallimard with the Pléiade, and in Italy by Mondadori. The aftermath of World War II effectively wrecked Insel, dividing it up between Frankfurt in the West and Leipzig in the East. Mondadori was bought up by Berlusconi and its classical series disappeared. All of the other grand projects for printing the Italian classics have closed down; only odd volumes in secondhand shops are left of the Scrittori d'Italia of Laterza or of the ambitious volumes published by Ricciardi.


31. Oktober 2003

Bibliothek: Neuzugänge

Autor Titel Verlag Kommentar
Henry James Asperns Nachlass Ullstein TB Amazon Restposten
Joachim Walther Sicherungsbereich Literatur. Schriftsteller und Staatssicherheit in der DDR Propyläen Taschenbuch Standardwerk ebenfalls als Amazon Restposten
Dumont "Alles auf einen Blick" Antike. Das Klassische Griechenland und das Römische Reich Dumont Amazon Restposten
Christine Metzger (Hrsg.) New York Könemann Bildband, Amazon Restposten
Orlando Figes Natasha's Dance. A Culture History of Russia Penguin Paperback


26. Oktober 2003

Alban Berg Quartett
Mozart: Klavierquartett g-moll K 478
Mahler: Klavierquartettsatz a-moll
Schnittke: Klavierquartett a-moll
Schubert: Klavierquintett A-Dur D 667
(Konzerthaus 18.10.)


Erweitert um Elisabeth Leonskaja und Alois Posch gab das ABQ diesmal nach der Pause das Forellenquintett, das leider trotz seiner Bekanntheit viel zu selten im Konzertsaal zu hören ist. Diese gute Dreiviertelstunde hätte für einen perfekten musikalischen Abend ausgereicht, doch auch der erste Teil des Programms war intelligent programmiert und hervorragend interpretiert. Schnittkes Werk wurde von dem Komponierversuch des sechszehnjährigen Mahlers angeregt, dessen Quartettsatz zwar viel jugendliches Pathos enthält, das aber die originellen musikalischen Ideen nicht verdeckt.

Norbert Hoerster: Ethik des Embryonenschutzes. Ein rechtsphilosophischer Essay
(Reclam)


1998 wurde Norbert Hoerster aufgrund kontroverser (und völlig missverstandener) Thesen zur Bioethik von seinem Lehrstuhl geekelt, ein Ereignis, dass der akademischen Freiheit in Deutschland nicht das beste Zeugnis ausstellte. Mehr dazu findet sich hier.
Erfreulicherweise ließ sich der Philosoph aber nicht mundtot machen, wie dieser Essay zeigt. Hoerster trägt darin erfrischend klar argumentiert seine Position zum Embryonenschutz vor. Selbst wenn man seine Auffassung nicht in allen Punkten teilt, ist dieser Essay mit zahlreichen produktiven Denkanstößen verbunden, etwa im Nachweis der Widersprüchlichkeit der deutschen Abtreibungsregelung. Hoerster stellt dieser intellektuell unbefriedigenden Situation seine konsistente, auf Interessenethik beruhende Auffassung gegenüber. Dass er Embryonen "nur" ein schlichtes, kein fundamentales Lebensrecht zuspricht, wird wohl wieder zu übler Nachrede führen, weil das daran anschließende Kapitel, warum trotzdem gewisse Schutzrechte angebracht sind, aus polemischen Gründen überlesen werden wird.

A.R. Gurney: Love Letters
(Burgtheater 23.10.) Ursula Lingens
Michael Heltau


Ein ungewöhnliches Stück, eine Art Briefroman für die Bühne, auf der sich nur zwei Personen vor dem Vorhang befinden, die abwechselnd ihren lebenslangen Briefwechsel vorlesen. Angefangen von den ersten kindlichen Nachrichten bis zum Tod von Melissa, die im Gegensatz zum erfolgreichen Andy als Künstlerin am Alkohol zu Grunde geht. Das ergibt einen (im besten Sinn) unterhaltsamen Theaterabend, der einen die ab und zu etwas durchsichtige Konstruktion der Figurenkonstellation vergessen lässt.
Stutzig machte mich, dass mir das Stück plötzlich bekannt vorkam. Nach einiger Zeit wurde mir klar, dass ich es schon einmal an einem kleinen Theater in Salzburg gesehen hatte, und es mir damals ebenfalls gut gefiel. Warum also hatte ich es komplett vergessen? Vielleicht ist es doch zu oberflächlich, um längerer Spuren zu hinterlassen ...
Im Anschluss an die Vorstellung, durfte ich Zeugnis eines echt wienerischen Ereignisses werden: Das Burgtheater feierte sich selbst. Michael Heltau wurde die Ehrenmitgliedschaft des Burgtheaters verliehen. Klaus Bachler, Morak (der in letzter Zeit vor allem durch sein Lob von Dorftheatern auffiel) u.a. hielten reden, wobei jeder jeden lobte, nicht zuletzt die Schauspieler das Publikum und umgekehrt.

40 Jahre New York Review of Books!

Die beste "general interest" Zeitschrift der Welt wird 40, die Jubiläumsausgabe ist online. Möge dieser publizistischen Ausnahmeerscheinung weitere 40 Jahre vergönnt sein. Möge sie an ihrer kritisch-analytischen Linie ebenso festhalten wie an ihrer klassischen Gelehrsamkeit.


18. Oktober 2003

Menschenrechtsverletzungen in den USA

Liest man eine Zusammenfassung der Menschenrechtsverletzungen in den USA seit dem 11. September 2001, fühlt man sich an rechte südamerikanische Diktaturen erinnert, etwa wenn Menschen von der Straße weg verhaftet werden und für Monate verschwinden.
Diese Fälle kann man im Buch von David Cole nachlesen: Enemy Aliens. Double Standards and Constitutional Freedoms in the War of Terrorism. Anthony Lewis nützt seine Rezension in der The New York Review of Books 16/2003 zu einem unerfreulichen Rückblick auf die zahlreichen menschenrechtswidrigen Maßnahmen der Bush-Regierung.
Die USA wären nicht die USA, wenn nicht - nach einer ersten Lähmung - nun zahlreiche Kritiker an die Öffentlichkeit treten würden, welche diesen Tiefpunkt in der "Rechtsgeschichte" der USA umfassend kritisieren.
Nachfolgend eine Liste bisheriger Bücher dazu:

    Nat Hentoff, The War on the Bill of Rights—and the Gathering Resistance (Seven Stories, 2003)
    Lost Liberties: Ashcroft and the Assault on Personal Freedom, a collection of essays edited by Cynthia Brown, with an introduction by Aryeh Neier (New Press, 2003)
    The War on Our Freedoms: Civil Liberties in an Age of Terrorism, a collection of essays edited by Richard C. Leone and Greg Anrig Jr. (Public Affairs, 2003)
    David Lyon, Surveillance After September 11 (Polity, 2003)
    Barbara Olshansky and the Center for Constitutional Rights, Secret Trials and Executions: Military Tribunals and the Threat to Democracy (Seven Stories, 2002)
    Christian Parenti, The Soft Cage: Surveillance in America from Slavery to the War on Terror (Basic Books, 2003)

Thomas Mann: Essays II. 1914-1926

Wurde heute von der FAZ rezensiert und von Perlentaucher zusammengefasst.

Geschichte der Bilderzählung in der griechischen Kunst

So lautet der Untertitel des Buches von Giuliani, "Bild und Mythos", das bei C.H. Beck erschienen ist.

Bibliothek: Neuzugänge

Autor Titel Verlag Kommentar
Norbert Hoerster Ethik des Embryonenschutzes. Ein rechtsphilosophischer Essay Reclam Letztes Jahr erschienen
Giuseppe Verdi Der Troubadour Reclam Ersatz für ein verrückt gedrucktes CD-Libretto
Walter Fanta; Valentin Sima "Stehst mitten drin im Land". Das europäische Kameradentreffen auf dem Kärnter Ulrichsberg von den Anfängen bis heute Drava Geschenk von Walter Fanta
Vladimir Nabokov Die Gabe rororo via Booklooker


17. Oktober 2003

Neil LaBute: das maß der dinge
(Akademietheater 16.10.)
Regie: Igot Bauersima
Adam: Daniel Jesch
Evelyn: Johanna Wokalek
Jenny: Dorothee Hartinger
Phillip: Raphael von Bargen


Nach traditionellen Kriterien ein gutes Stück, das in bester amerikanischer Theatertradition steht: Beziehungsstück, intelligente und witzige Dialoge, psychologisch interessante Figuren, gelungene Pointe am Ende. Schauspielerisch und inszenatorisch war die Aufführung auf hohem Niveau, ein gelungener Theaterabend könnte man meinen.
Aber? Der Haken liegt im Stoff, denn wie schon in Yasmina Rezas Erfolgsstück "Kunst" (eine Freundschaft zerbricht am Kauf eines teueren "Gemäldes", das nur aus weißer Leinwand besteht) durchziehen ästhetische Fragestellungen das Stück, deren Profundität teilweise zu wünschen übrig lassen. LaBute fürchtet sich offenbar, das Kunstthema in der gebotenen Komplexität anzugehen, was dem Erfolg des Stückes wohl auch abträglich gewesen wäre. So bleibt dieser Themenstrang vor der Pointe ziemlich dünn. Diese ist durchaus gelungen: Es stellt sich nämlich heraus, dass die Kunststudentin Evelyn die zahlreichen Veränderungen, die sie bei ihrem neuen Freund Adam auslöst (vom schüchtern-verschrobenen Anglistikstudenten zum selbstbewussten und durchtrainierten "Frauenheld"), als Kunstprojekt geplant war, und Adam für sie nicht mehr als eine lebendige Skulptur war, die sie formte.
Originell ausgedacht und handwerklich meisterhaft durchgeführt, bleibt doch ein fader Geschmack zurück: Die moderne (bzw. die avantgardistische) Kunst auf diese Weise vorzuführen hinterläßt den Verdacht, dass es weniger um die Sache selbst geht, sondern dass hier - gewollt oder nicht - populistische Ressentiments bedient werden.

Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse. Vorspiel einer Philosophie der Zukunft
(WBG Werkausgabe)


Nach mehreren Jahren also wieder einmal ein größeres Werk von Nietzsche. Eine ausgesprochen anregende Lektüre, nicht zuletzt vor dem Hintergrund von wem dieser Philosoph heute als Vorbild in die Pflicht genommen wird.
Obwohl Nietzsche der analytischen Philosophie aufgrund seiner Anschauungen fern steht, so muss man ihm in vielen Fällen eine ausgesprochen analytische Vorgehensweise konzedieren, etwa wenn er argumentiert, dass viele philosophische Probleme durch die "Grobheit" der Umgangssprache entstehen. Allerdings setzt er dieses Argument nur ex negativo ein. Gottlob Frege, der geniale Begründer der modernen Logik, löste dieses Problem durch die Schaffung einer logischen Kunstsprache, und erbrachte damit eine der größten intellektuellen Leistungen des 19. Jahrhunderts.
Nietzsche liest man besten literarisch, als einen der glänzendsten Stilistiker und Rhetoriker, der selbst seine wüstesten Ausfälle gegen die Herdenmenschen, Demokratie, Sozialismus, um ein paar zu nennen, in sprachliche Glanzlichter verwandelt. Besonders erfreulich ist diese Sprachkunst dann, wenn auch an der Sache nichts auszusetzen ist, etwa bei großen Teilen seiner religionskritischen Ausführungen.
Es gilt heute als philosophischer common sense, dass man Nietzsches Ausflüge in die Politik nicht so einfach beim Wort nehmen darf. Dem kann man insoweit folgen als sich immer wieder subtile Distanzsignale und Relativierung im Text finden lassen. Diese semantischen Alibis reichen jedoch nicht so weit, um den rhetorischen Impetus des Textes aufzuheben. Nietzsche will eine neue Philosophie, eine neue "Moral" und vertritt mit sein aristokratisches Menschenbild mit hinreichender Penetranz, um ihn sachlich ernst zu nehmen. Um Nietzsche zu verteidigen, wird gerne nach folgendem Muster verfahren: Wenn Zitat A, politisch unerfreulich ist, dann ist A in metaphorischen Sinn gemeint. Mit demselben Verfahren verteidigen Theologen gerne unerfreuliche Bibelzitate. Diese Methode ist aber nur dann legitim, wenn vorher die Kriterien offen gelegt werden, nach denen zwischen bildlichem und "normalen" Sprachgebrauch unterschieden wird.
Eines fällt bei "Jenseits von Gut und Böse" auf: Immer wenn Nietzsche seine fragwürdigen Weltanschauung propagiert, nimmt die Rhetorik zu ungunsten des Arguments zu. Nietzsche ist am besten, wenn er kritisiert, am wenigsten überzeugend, wenn er seine Philosophie propagiert. Je aggressiver die Thesen, desto fragwürdiger die Logik.
Während Nietzsche den größten Wert auf intellektuelle Qualität bei der "Konkurrenz" legt und keine Fehler durchgehen läßt, wirft er seine höchst fragwürdiges Anthropologie dem Leser stilistisch brillant an den Kopf, ohne plausible Argumente anzuführen:

    Hier muß man gründlich auf den Grund denken und sich aller empfindsamen Schwächlichkeit erwehren: Leben selbst ist wesentlich Aneignung, Verletzung, Überwältigung des Fremden und Schwächeren, Unterdrückung, Härte, Aufzwängung eigner Formen, Einverleibung und mindestens, mildestens Ausbeutung [...]
    Die "Ausbeutung" gehört nicht einer verderbten oder unvollkommenen und primitiven Gesellschaft an: sie gehört ins Wesen des Lebendigen, als organische Grundfunktion, sie ist eine Folge des eigentlichen Willens zur Macht, der eben der Wille des Lebens ist.
    (Nietzsche, Werke, Zweiter Band, S. 729)
Was Nietzsche hier als tapfere, tabulose und revolutionäre neue Philosophie verkauft, besteht zu einem guten Teil aus einer unreflektierten Übernahme zeitgenössischer Theorien (von der Rassenlehre bis zum Sozialdarwinismus). Über seine pathologischen Ausführungen über die "Weiber" sei hier übrigens dezent der Mantel des Schweigens ausgebreitet.
Die Rezeption der Philosophie Nietzsches gehört vor dem Hintergrund seiner vergleichsweise seltsamen Thesen zu den geistesgeschichtlich spannendsten Themen seiner Zeit. Brauchbar auch als Lackmus-Test für Intellektuelle. Während Thomas Mann mehr als zwei Jahrzehnte brauchte, um sich von Nietzsche weltanschaulich zu distanzieren, hat Robert Musil die Werke Nietzsches quasi als anregenden intellektuellen Steinbruch missbraucht, und ist einige der aufgeworfenen Fragen (etwa nach einer adäquaten zeitgenössischen Moralanalyse) mit eigenen methodischen Mitteln angegangen, ohne sich von der reaktionäre Seite dieser Philosophie stärker beeindrucken zu lassen.
Was die aktuelle Nietzsche-Rezeption angeht, kann man zahlreichen Nicht-Denkern aufschlussreicherweise beim Nicht-Denken zusehen. Die Umdeutung Nietzsches zum progressiven Denker erfordert ein so großes Maß an geistesgeschichtlicher Ignoranz, dass es mindestens einen Derrida benötigt, um dies zu vertreten. Hier sind wir nun freilich in einer Welt des "Geistes" angelangt, die Originalität und Absurdität als "Erkenntnis"kriterien anerkennt, womit sich der Kreis zu Nietzsche nun tatsächlich schließt ...
Etwas mehr dazu...


16. Oktober 2003

Neue Kant-Biographien

Gleich drei neue Biographen über Immanuel Kant sind zu vermelden, und zwar von Steffen Dietzsch, Manfred Geier und Manfred Kühn.

Schnitzler: Jugend in Wien. Eine Autobiographie
(Fischer TB)


In dieser Form nie für die Veröffentlichung bestimmt, beschreiben die aus dem Nachlass publizierten Kapitel Schnitzlers Kindheit und Jugend bis Juni 1889, erreichen also den Zeitpunkt seiner größeren literarischen Werke nicht.
Das Buch fand ich etwas enttäuschend, wofür man bei nachgelassenen Werken freilich den Autor nicht verantwortlich machen kann. Es enthält sehr viele biographische Details, was biographischem und germanistischem Interesse entgegen kommt, sowie ungewöhnlich reichhaltige Berichte über die zahllosen schriftstellerischen Versuche des jungen Schnitzler. Man erfährt (sehr) viel über Schnitzlers erste Liebschaften und wird ausführlich mit Materialien über "süße Mädel" aus den Wiener Vorstädten versorgt.
Informationen über das Wien zu dieser Zeit erhält man eher spärlich, ab und zu ein paar Sätze, viel zwischen den Zeilen. "Jugend in Wien" ist quasi - man verzeihe mir diese "logische" Metapher - das Gegenteil von Stefan Zweigs "Die Welt von gestern", der sein Leben zum Anlass einer umfassenden Epochenschau nimmt.
Eine Lektüreempfehlung kann ich also nur für wirkliche Schnitzler-Enthusiasten aussprechen.


14. Oktober 2003

Bibel: Die Paulusbriefe
(Jerusalemer Bibel)


Diese Briefe aus geistesgeschichtlicher Perspektive zu lesen, ist aus mehrfachen Gründen interessant. So bekommt man einen guten Einblick in die Ideologie des sogenannten Urchristentums, das bei weitem nicht so progressiv war, wie das heute immer wieder behauptet wird, und lernt einiges über Ideologie und deren gesellschaftliche Manifestation im Allgemeinen (einschließlich der Bildung von Splittergruppen und die Bekämpfung derselben). Es werden auch diverse Strategien deutlich, welche zur Durchsetzung ausgerechnet dieser religiösen Spielart führten: Paulus formuliert viele katholische Doktrinen, welche bis heute kulturellen und gesellschaftlichen Schaden anrichten. Schließlich ist es aufschlussreich, das intellektuelle Niveau der Texte mit zeitgenössischen und früheren antiken zu vergleichen.
Versetzt man sich in die Position eines gebildeten Römers (oder Hellenen)des 1. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, so präsentierte sich das frühe Christentum - berechtigterweise - als eine der vielen kleinen fanatischen Sekten, die in der hellenistischen Welt ihr Unwesen trieben. Ihr intolerantes Wesen und ihre seltsamen Ideen wurde mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit und intellektuellem Ekel wahrgenommen. Als Beispiel mögen die Bücher des Porphyrius gegen das Christentum dienen, von denen leider nur Bruchstücke überliefert sind, und in denen er u.a. für religiöse Toleranz plädiert.
Paulus war intelligent genug, um diese Reaktion zu beobachten, so schreibt er mehrmals davon, dass die von ihm propagierten Lehrsätze Außenstehenden als "Torheit" erscheinen. Erklärt wird das freilich nicht damit, dass fast alle diese Lehrsätze tatsächlich höchst töricht sind, sondern mit fehlender Erleuchtung durch den Heiligen Geist:

    Der irdisch gesinnte Mensch aber läßt sich nicht auf das ein, was vom Geist Gottes kommt. Torheit ist es für ihn, und er kann es nicht verstehen, weil es nur mit Hilfe des Geistes beurteilt werden kann. Der geisterfüllte Mensch urteilt über alles, ihn aber vermag niemand zu beurteilen.
    (1 Kor 2, 14ff)
Das Musterbeispiel einer klassische Immunisierungsstrategie, wie sie bei allen Ideologien und vielen irrationalen Theorien zur Grundausstattung gehört: Nur wer erleuchtet ist, kann es verstehen. Wer es nicht versteht, ist nicht erleuchtet und ist nicht kritikfähig. Außerdem natürlich als Heide böse. Kritik von außen ist damit ausgeschlossen.
Eine Ursache für die Durchsetzung des Christentums paulinischer Prägung war die kluge taktische Vorgehensweise. Abgesehen von Credo wird Paulus nicht müde, einen möglichst unterwürfigen Umgang mit den staatlichen Autoritäten zu pflegen:
    Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt. Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen.
    (1 Röm 13, 1ff.)
In Kombination mit der oft wiederholten Forderung, der Sklave mögen seinen Herrn achten, sowie der Ablehnung "oberflächlicher" religiöser Gebote (Essvorschriften, Beschneidung), war dies der Ausbreitung dieser Variante des Christentums sehr förderlich.
Zu rhetorischer Hochform läuft Paulus auf, wenn es darum geht, Geld einzufordern, auch damit ein großer Vorläufer der katholischen Kirche. Ansonsten beherrscht er diverse Einschüchterungsmaßnahmen ausgezeichnet (etwa wenn er seinem Mitarbeiter Timotheus en passant mitteilt, dass er zwei seiner Exmitarbeiter "dem Satan übergeben habe" (1 Timotheus 1, 20)).
Einen Vergleich mit römischen (oder gar früheren griechischen Schriften) halten diese Briefe nicht stand, wenn man Vergleichskriterien wie logische Stringenz, Komplexität der Argumentation oder Bezugnahme auf das damalige Weltwissen anlegt. Deshalb ist es weiter nicht verwunderlich, dass sich das frühe Christentum als Zielgruppe "underdogs" diverser Couleur aussuchte: alle anderen hätten und haben schon damals nur den Kopf geschüttelt, angesichts dieser seltsamen Lehr-Anmutungen.

Die Materie im Universum ...

... präsentiert sich nach dem aktuellen theoretischen Stand der Astrophysik folgendermaßen (Spektrum der Wissenschaft 10/2003):
    Baryonische Materie (Neutronen und Protonen): 5%
    Kalte dunkle Materie: 25%
    Dunkle Energie: 70%
    Strahlung: 0,005%
    Heiße Dunkle Materie: 0,3%


11. Oktober 2003

[intern] Verlinkung

Ab und zu werde ich gefragt, ob/wie man auf Einzelbeiträge der Notizen verlinken kann. Nach der Einrichtung eines Redirects auf die jeweilige Quartalsdatei kann man ab sofort dauerhafte Links setzen:
"http://www.koellerer.de/q4-2004.html#TTMMJJ", z.B. "#111003" für den heutigen Eintrag.

Albrecht Dürer
(Albertina)


Die Albertina zeigt derzeit eine umfassende Ausstellung mit Werken Albrecht Dürers, wie sie wohl Jahrzehnte nicht mehr zustande kommen wird. Ausgangspunkt bilden natürlich die zahlreichen Grafiken im Bestand der Albertina, die durch zahlreiche Leihgaben ergänzt werden. Auf diese Weise kann man sich einen ausgezeichneten Überblick über die Kunst Dürers verschaffen. Die Schau ist leider sehr überlaufen, Schlange stehen ist angesagt. Dieser Aufwand ist aber durchaus lohnenswert.
Neu war mir, dass Dürer ein auf Deutsch geschriebenes Buch über Kunst publizieren wollte und damit sehr früh Deutsch als Wissenschaftssprache verwendete. Erschienen ist dann allerdings nur ein Teil des Projekts, nämlich die Proportionenlehre. Er ging darin vom Studium der einschlägigen Bücher Vitruvs aus, entwickelte seine Theorie aber weiter. So war er unzufrieden damit, dass Männer und Frauen proportional gleich dargestellt werden sollten. Ein erstes berühmtes "praktisches" Ergebnis dieser Bemühungen ist die Grafik "Adam und Eva".

Sämtliche Werke des Friedrich Hölderlin...

...bietet die Büchergilde Gutenberg derzeit statt für 65 Euro für 40 Euro an. Wohlfeil für drei schöne Leinenbände. Vermutlich eine Verzweiflungspreissenkung mangels Nachfrage.

Roman des antiken Weltwissens

So lautet der Unteritel des Buches "Alexandria 642" von Jean-Pierre Luminet. Ein Bibliomanikum.


6. Oktober 2003

Bibliothek: Neuzugänge

Autor Titel Verlag Kommentar
Johann Konrad Eberlein Albrecht Dürer rororo monographie März 2003
Vladimir Nabokov Ada oder das Verlangen Rowohlt Gebundene dt. Erstausgabe für 1,80.- via Booklooker :-)
Helma Spona Das große Buch Access 2002 - Programmierung Data Becker Second Hand
Thomas Mann Der Zauberberg S. Fischer Große kommentierte Frankfurter Ausgabe
Albertina (Hg.) Albrecht Dürer Albertina Katalog zur Ausstellung; 29 Euro

Johann Konrad Eberlein: Albrecht Dürer
(rororo monographie)


Der Professor für Kunstgeschichte in Graz hat eine solides kleines Buch über Dürer vorgelegt. Jargonfrei macht der Autor den Leser mit Leben und wichtigen Werken des Künstlers bekannt, nicht ohne einiges Erhellende über den kunsthistorischen Kontext zu schreiben.

Die Geschichte der Bibliothek

Versuchte Matthew Battles in "Die Welt der Bücher" zu schreiben.


5. Oktober 2003

Neue Archive

Mit großer Verspätung habe ich die "Notizen" verschlankt und es gibt zwei neue Archivdateien: 2. Quartal 2003 und 3. Quartal 2003 sowie ein aktualisiertes Gesamt-Archiv.

Fontane: Cécile. Roman (Aufbau TB)

Würde man überflüssigerweise eine Skala der Dialogkunst Fontanes entwerfen und dessen Romane darauf anordnen, wäre "Cécilie" im oberen Drittel anzusiedeln. Die Figuren sind gut gelungen, die auf den Tod der Protagonisten zulaufende Handlung ohne jegliches Pathos in Szene gesetzt, die psychologische Motivation glaubwürdig. Aber wozu die vielen Worte: ein ausgezeichneter Fontane-Roman eben :-)

Klangforum Wien
Georg Friedrich Haas: "Wer, wenn ich schriee hörte mich..." (1998/99)
Gabriele Manca: Cinduites d'approache III
George Lopez: Blue Cliffs (1992/93)
(Konzerthaus 17.9.)


Das Klangforum hat die letztes Jahr begonnene "Tradition" fortgesetzt und zu Beginn der Saison Abonnenten und Freunde zu einem Gratiskonzert eingeladen. Dass am Programm nicht gespart wurde, zeigt die österreichische Erstaufführung des erstaunlich erfolgreichen Stückes von Haas, das sich durch eine beeindruckend differenzierte Klangvielfalt auszeichnete. Ein vielversprechender Auftakt!

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