Dr. Christian Köllerer: Reise-Notizen über Sizilien
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Reise-Notizen Sizilien

von Christian Köllerer



Auszug aus meinen Notizen



8. Mai 2003

Reise-Notizen Sizilien (5): Agrigent und Syracus

Agrigent ist für den Graecophilen nach Selinunt ein weiterer Höhepunkt. Der seltsamerweise "Tal der Tempel" genannte Ort - es handelt sich um eine Anhöhe - ist architektonisch ungemein interessant. Der Concordiatempel zählt zu den drei besterhaltenen dorischen Tempeln und gibt eine eindrückliche Vorstellung von dieser spezifischen Form der Ästhetik. Aus größerer Entfernung wirkt er quasi intakt (das Dach und die fehlenden Farben einmal ausgenommen). Eines der schönsten Bauwerke, die ich bisher sah.
Über Syracus muss man nicht viele Worte verlieren, aber es ist schon eigenartig, auf einem der Hügel über der Stadt zu stehen und auf die topologisch kaum veränderte Bucht zu blicken, in der am Ende des peloponnesischen Krieges die verhängnisvolle Seeschlacht stattfand, die den Untergang der Großmacht Athen einleitete. Bei Thukydides ist das brillant geschildert nachzulesen. Ansonsten gibt es noch ein leidlich gut erhaltenenes griechisches Theater zu sehen sowie eines der besten Museen Siziliens. Herausragend auch der Dom der Stadt: Ein Bauwerk, dass als griechischer Tempel begann, diverse Umbauten erlebte, und seit der Antike permanent genutzt wurde. Wer wollte nicht schon mal einen in eine Kirche umgebauten griechischen Tempel sehen? :-)


27. April 2003

Reise-Notizen Sizilien (4): Selinunt

Die Überreste der griechischen Stadt Selinunt sind einer der vielen Höhepunkte, wenn man Sizilien aus Interesse an der Antike bereist. 650 v.C. gegründet, entwickelte sich die Stadt zu einer der reichsten auf der Insel.
Acht Tempelruinen sind noch zu besichtigen, einige davon in einem zufriedenstellenden Zustand. Die Akropolis liegt auf einem hohen Plateau über der Küste, die man von dort hervorragend überblickt. Der Tempel G, auf dem Osthügel gelegen, war mit 50,10 x 110,10m der größte je gebaute dorische Tempel. Auf Sizilien gab es damals einen megalomanen Wettbewerb, was Größe und Pracht der Sakralbauten anging.
Jahrzehntelang lebte man in gutem Einverständnis mit den Kathargern auf der Insel, deshalb kann man den Überfall Hannibals (Sohn des Giskon) im Jahr 409 v.C. bis heute nicht plausibel erklären. Das ungeheure Gemetzel jedoch ist überliefert: 16.000 Selinuntiner wurden auf der Agora hingerichtet, 5400 als Sklaven verkauft. 3000 gelang die Flucht nach Syrakus.


21. April 2003

Reise-Notizen Sizilien (3): Segesta

Die wichtigste antike Stätte im Osten Siziliens. Zu sehen gibt es dort einen griechischen Tempel und ein Theater, wobei "griechisch" dahin gehend modifiziert werden muss, dass Segesta von Elymern bewohnt wurde, einem Volk aus Kleinasien. Kulturellen Einflüssen sehr aufgeschlossen unterhielten die Segestaner sowohl Beziehungen mit den Karthagern als auch mit den Griechen.
Zum Konflikt kam es, als die griechische Kolonie Selinunt ihr Territorium zu Ungunsten von Segesta ausdehen wollte. Die Details kann man bei Thukydides nachlesen: Durch ein geschicktes Täuschungsmanöver konnten die Segestaner die Athener von ihrem "Reichtum" überzeugen. Ein Bündnis war die Folge, einer der Gründe für die verheerende Sizilienexpedition der Athener.
Der Tempel in Segesta (Mitte 5. Jhd.) wurde nie fertig gestellt, es fehlten Cella und Dach, so dass nur die Ruine einer Baustelle zu besichtigen ist. Immerhin wurde die Ringhalle aufgerichtet, auch wenn einige Säulen noch die als Transportschutz gedachte Steinummantelung tragen. So ist der architektonische Gesamteindruck - vor allem aus der Entfernung - durchaus fesselnd.
Zu sehen gibt es weiters ein kleineres griechisches Theater (3. Jhd) mit einem grandiosen Blick über sizilianische Landschaft. Erhalten sind nur 20 Sitzreihen, trotzdem lohnt sich ein Besuch sehr.


30. März 2003

Reise-Notizen Sizilien (2): Der Dom von Monreale

Im 12. Jahrhundert aus politischen Motiven in der Nähe Palermos errichtet, gelang ein Bauwerk von beeindruckender Symbolik. Außen in der Art eines normannischen Wehrdoms gehalten, innen geschmückt mit einer kaum zu überschaubaren Fülle kunstvoller byzantinischer Mosaiken(zyklen), die Szenen aus dem alten und neuen Testament nacherzählen, und von der Kirche (auch) zu pädagogischen Zwecken verwendet wurden. Die Mosaiken laufen reihenweise um das komplette Kirchenschiff und sind ungemein detailreich ausgeführt, man bräuchte viele Stunden, um sie in Ruhe anzusehen.
Angefangen vom Grundriss des Doms über die mit biblischen Motiven verzierten Türen bis hin zum Chor, der zwei Throne enthält, einen für den Bischof, einen höheren für den Kaiser, wird hier (in Kombination mit den Mosaiken) das mittelalterliche Weltbild symbolisch in ein monumentales Bauwerk gegossen. Sollte man sich ansehen, wenn man in der Nähe ist :-)


20. März 2003

Reise-Notizen Sizilien (1)

Bereist man Sizilien vor allem wegen des Interesses an den griechischen Altertümern, macht man eine interessante Entdeckung: Es gibt viel mehr zu sehen als auf dem griechischen Festland, die Akropolis einmal ausgenommen. Natürlich ist der Boden nicht so "klassisch" wie auf den Peloponnes, auch fallen die sizilianischen Griechen mit einigen ästhetischen Seltsamkeiten auf, das ändert aber nichts am Gesamteindruck. Das mag teilweise an der spektakulären Landschaft liegen: viele Tempel liegen auf Plateaus unmittelbar überhalb der Küste.
Sieht man über den antiken Tellerrand hinaus, wird man durch nicht wenige architektonische Sehenswürdigkeiten überrascht, wobei hier sehens-würdig nicht notwendigerweise ein positives Prädikat ist. So ist der Dom von Palermo wohl das wunderlichste kirchliche Bauwerk, das ich bis jetzt sah. Das Gebäude ist im normanisch-gothischen Stil gehalten (naturgemäß fehlen auch ein paar arabische Elemente nicht). Auf diese Längsschiff wurde nun im 18. Jahrhundert eine Barockkupel aufgepfropft, die Wirkung ist buchstäblich unbeschreiblich ...

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