Übersicht --- Notizen --- Thomas Mann: Neue Werkausgabe

Über die neue Thomas-Mann-Ausgabe (GKFA)

von Christian Köllerer



Auszug aus meinen Notizen



7. Oktober 2007

"Doktor Faustus"

Ziemlich genau zweieinhalb Jahre ist es her, dass ich hier die letzten Bände vermelden konnte. Nun ist endlich mit "Doktor Faustus" ein weiterer Band erschienen. Sieben Jahre hat Ruprecht Wimmer für den Kommentar benötigt, was angesichts der Fülle von Referenzen aller Art ebensowenig verwundert wie die Tatsache, dass der Kommentar mit 1200 Seiten fast doppelt so umfangreich ist wie der Romantext. Dem ersten Durchblättern nach, eine solide Edition. In Rezensionen wurde berechtigterweise der Umstand bemängelnt, dass Manns Rechenschaftsbericht "Roman eines Romans" nicht aufgenommen wurde.


10. April 2005

Sechs neue Bände

Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, deren herausragendster ein nachlässiger Buchhandelsvertreter für S. Fischer zu nennen ist, erreichten mich gestern drei Buchkassetten. Zwei Doppelbände "Königliche Hoheit" und "Frühe Erzählungen 1893-1912" (also mit dicken Kommentarbänden jeweils) sowie "Briefe II. 1914-1923".


11. September 2003

Thomas Mann: Buddenbrooks (3.)
(GKFA)

Die Zeit für die dritte Lektüre dieses Romans war gut investiert. Ursprünglich wollte ich den umfangreichen Kommentarband der Frankfurter Ausgabe parallel lesen, aber ich konnte mich während des Lesens nie entschließen, die "Buddenbrooks" mit Sekundärem zu vertauschen. Nun gehört es ja unter avancierten Literaturfreunden zum guten Ton, abfällig über Thomas Mann und seine Werke zu reden. Das liegt vermutlich daran, dass die literarischen Mittel des Autors im Vergleich zu einem James Joyce oder einem Arno Schmidt vergleichsweise "schlicht" anmuten können. Eine unfaire Argumentation, läßt man dabei doch außer acht, dass Thomas Mann für sich in Anspruch nehmen darf, die Kunst des realistischen Romans zu einem Höhepunkt geführt zu haben. Führt man sich gleichzeitig die literaturgeschichtliche Bedeutung dieser Erzähltradition vor Augen (erwähnt seinen nur die französischen und russischen Klassiker), ist eine abwertende Haltung völlig unangebracht.
Liest man ein Buch zum dritten Mal, achtet man verstärkt auf Details und Finessen. Die "Buddenbrooks" haben hier viel zu bieten, und es ist oft verblüffend mit welcher Souvernität Mann subtile literarische Kunstgriffe einsetzt. Trotz der Länge sind die "Buddenbrooks" von einer raffinierte Ökonomie: Die Handlung wird regelmäßig auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig weitergetrieben, und ich war überrascht wie schnell die Handlung sich eigentlich entwickelt. Die Leitmotiv-Technik ist manchmal etwas plakativ, aber der "Störeffekt" hält sich in engen Grenzen. Schwer zu verstehen ist, wie ein junger und arroganter Schnösel im Alter von 23 Jahren ein solches Riesenprojekt bewältigen konnte.


21. Dezember 2002

Thomas-Mann-Ausgabe: Band Nr. 4

Diesmal war der Anruf nicht vergebens, es wartete eine schwergewichtige Kassette auf mich: Essays II: 1914-1926. Ein fast 1300 Seiten umfassender Textband wird von einem ähnlich schwergewichtigen Kommentarband (1000 Seiten) begleitet. Fast etwas viel Mann auf einmal :-)


23. November 2002

Thomans-Mann-Ausgabe: Logistische Probleme?

Im Oktober rief mich meine Buchhandlung an, ich möge doch bitte drei neue Bände der Ausgabe abholen. Nach einer knapp einjährigen Verspätung, dachte ich, S. Fischer hätte nun die kolportierten technischen Editionsprobleme in den Griff bekommen.
Als ich dann aber den "Zauberberg" in der neuen Ausgabe in Empfang nehmen wollte, stellte sich heraus: Man hatte mir die ersten drei Kassetten noch einmal geschickt. Es heißt nun also, weiter warten ...


16. August 2002

Thomas Mann: Briefe I. 1889 - 1913
(GFKA)


Man hat es nicht leicht, wenn man sich intensiver mit deutschsprachiger Literatur beschäftigt. Ist man bei der Lektüre der Kafka-Briefe mit einem idiosynkratischen, krankhaft sensiblen Menschen konfrontiert, tritt einem bei der Lektüre der Briefe des jungen Thomas Mann nicht selten ein arroganter Schnösel entgegen.
Als Vielschreiber hatte TM darüber hinaus die Angewohnheit, viele (mehr oder weniger) geistreiche Sentenzen in Briefen an unterschiedliche Adressaten wortgleich zu wiederholen. Trotzdem lohnt es sich, den 800-Seiten-Band in die Hand zu nehmen. Man erfährt viel über die geistige Entwicklung des TM. Bis zur Jahrhundertwende beispielsweise wiederholt er kritiklos diverse Anschauungen seines Bruders Heinrich, bevor er nach und nach zu seiner eigenen Weltanschauung findet. Man stößt später auf sehr aufschlussreiche Briefe an Heinrich, in denen TM die Romanästhetik seines Bruders heftig kritisiert und seine eigene, in den "Buddenbrooks" umgesetzte, verteidigt.
Was ist zur Editionsqualität eines der ersten Bände der GFKA zu sagen? Äußerlich fällt auf, dass der Kommentar (im Gegensatz zu den "Buddenbrooks" und den "Essays I") in den Textband integriert ist. Der Textteil ist solide editiert, auch handwerklich gibt es nichts an dem Buch auszusetzen. Die Auswahl der Briefe ist nachvollziehbar, viele davon werden hier zum ersten Mal abgedruckt, etwa viele Briefe an den Wiener Richard Schaukal.
Der Kommentar hinterläßt einen zwiespältigen Eindruck. Offenbar konnten sich die Verantwortlichen nicht entscheiden, für welche Lesergruppen sie arbeiten. Das Resultat ist eine mitunter absonderliche Mischung von für Spezialisten interessanten Anmerkungen mit Banalitäten. Muss man einem Leser der Briefe des Thomas Mann wirklich erklären, wer Turgenjew oder Flaubert waren?


22. Juni 2002

Die ersten Bände der neuen Thomas-Mann-Ausgabe

Von meiner lokalen Buchhandlung informiert, holte ich die ersten fünf Bände ab (Buddenbrooks Text- und Kommentarband; Essays I 1893-1914 und Kommentarband; Briefe I 1889-1913 mit integriertem Kommentar).
Der erste Eindruck ist ein sehr solider, man muss MRR hier zustimmen. Die Verarbeitung ist hervorragend, was sich natürlich im Preis niederschlägt. Mehr nach Lektüre der Bände, ich werde wohl mit dem Briefband anfangen, da das einen aufschlussreichen Vergleich mit den eben gelesenen Kafka-Briefen aus dem gleichen Zeitraum ermöglicht.


5. März 2002

Noch keine Thomas-Mann-Ausgabe in Sicht

Angekündigt für Oktober 2001, wegen "technischer" Probleme auf den Februar verschoben gibt es nun einen neuen Termin: Im Juni soll der Auftakt diesmal stattfinden ...


25. November 2001

Neue Thomas-Mann-Ausgabe (Fortsetzung)

Offenbar legt der S. Fischer Verlag großen Wert auf seine Darstellung, die Verzögerung der Publikation sei durch technische Schwierigkeiten bedingt. So ist in einem Brief der Presseabteilung zu lesen:

    Aufgrund von technischen Schwierigkeiten wird sich der Start der GKFA auf das Frühjahr 2002 verschieben: Die Standards der SGML- und XML-gestützten Publikationen haben sich in den letzten zwei Jahren mit hoher Geschwindigkeit verändert [?]. Um für die Edition auch in diesem Sinne das höchste Niveau zu gewährleisten, muss der Verlag leider noch unerwartete Anstrengungen unternehmen.


22. November 2001

Details zur geplanten Frankfurter Thomas-Mann-Ausgabe

Heute brachte die Post "'Die Welt ist meine Vorstellung'. Eine Einführung in die Große kommentierte Frankfurter Ausgabe der Werke von Thomas Mann". Vielleicht, weil ich die Ausgabe bereits komplett subskribierte, vielleicht auch, weil ich regelmäßig Presseinformationen erhalte.
Der kleine Band geht detailliert auf die Editionsprinzipien ein:

    Im Rückblick auf die Literatur des 20. Jahrhunderts erscheint Thomas Mann als einer der wenigen Klassiker, die nicht nur weltweit gerühmt, sondern auch gelesen werden. Sein Werk, das in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde, vermag bis heute, ungeachtet aller Moden, Leser wie Forscher zu beeindrucken und neu herauszufordern.
    Seit den zwanziger Jahren sind die Romane, Erzählungen und Essays immer wieder in großen Werkausgaben veröffentlich worden. Zu einer anhaltenden Rezeption haben die im Exil entstandene Stockholmer Ausgabe, die 1955 in Ost-Berlin erschienene Aufbau-Ausgabe sowie die unter der Leitung von Hans Bürgin 1960 auf zwölf Bände angelegten und 1974 um einen Band erweiterten Gesammelten Werke in 13 Bänden nennenswert beigetragen.
    In den achtziger Jahren wurde zum ersten Mal das Desiderat einer philologisch dokumentierten Edition formuliert. Darauf antwortet das im folgenden Jahrzehnt entwickelte Projekt, das das gesamte überlieferte Werk dieses Autors einer genauen Autopsie unterziehen und in einer Gesamtschau darstellen will. Die Große kommentierte Frankfurter Ausgabe (GKFA) wird einem Editionsstand entsprechen, den man heute für ein Werk dieses Ranges erwarten darf, um sowohl dem Stand der Forschung wie den Bedürfnissen einer breiteren Leserschaft gerecht zu werden. Allerdings käme es einem unverantwortlichen Anachronismus gleich, wollte man in Anbetracht der jetzigen und zukünftigen elektronischen Archivierungs- und Distributionsmöglichkeiten eine historisch-kritische Ausgabe nach dem Muster jener früheren Monumental-Editionen in Angriff nehmen, die, bis zum Abschluss, oft auch zum Abbruch, sich über Jahrzehnte hingezogen haben. Die Buchausgabe der GKFA wird daher so gestaltet, dass sie in überschaubarer, relativ kurzer Zeit abgeschlossen werden kann und in der Textpräsentation wie in der Kommentierung wegen der unabsehbaren Flut der Sekundärliteratur, berechtigten Verlangen nach zuverlässiger, konzentrierter und überschaubarer Information zu entsprechen vermag.

    Zu den Texten: Statt problematischer und fragwürdiger Mischtexte wird, nach Prüfung aller Drucke, Typoskripte oder Handschriften, jeweils der Leittext mit der besten historischen Legitimation zugrunde gelegt. Das ist zwar häufig, aber keineswegs immer, der Erstdruck. Der ausgewählte Text wird stets auch in der ursprünglichen Orthographie und Interpunktion wiedergegeben, jedoch ohne die eindeutig erkennbaren Verschreibungen und Druckfehler. Alle Eingriffe werden in den Kommentarbänden vermerkt. Bei der Angabe von Varianten beschränkt sich die Buchausgabe, um die Lesbarkeit nicht zu gefährden, auf solche denen erkennbar eine inhaltliche oder sprachliche Bedeutung zukommt. Auf der CD-ROM werden dann sämtliche Abweichungen zu finden sein.
    Selbstverständlich werden in der Buchausgabe alle vorhandenen Vorstufen, nicht zum Druck gebrachten Passagen oder Ergänzungen in späteren Fassungen dokumentiert. So erfolgt im Komentarband von Buddenbrooks die erste vollständige Transkription der bisher für die Forschung nur durch die Handschrift im Zürcher Archiv zugänglichen Ausgeschiedenen Blätter. Desgleichen die bisher in ihrer Gesamtheit ebenfalls nur handschriftlich vorhandenen so genannten Materialien, d.h. die den Prozess der Vorbereitung und der Niederschrift begleitenden Stichworte, Skizzen, Generationenschemata, Vermögensberechnungen etc.
    Beim Doktor Faustus - um ein Beispiel aus dem Spätwerk zu nennen - werden die teilweise andernorts publizierten, aus Kürzungsgründen ausgeschiedenen Partien zusammen mit den bisher unveröffentlichten Streichungen in den Kommentarband aufgenommen.
    Der Kommentarband gliedert sich in folgende Teile: Entstehungsgeschichte, Textlage, Quellenlage, Rezeptionsgeschichte, Stellenkommentar und gegebenenfalls Paralipomena.
    Im Unterschied zu den übrigen, rein informatorischen oder dokumentarischen Teilen des Kommentars sind die Kapitel über die Entstehungs- und die Rezeptionsgeschichte essayistisch gehalten. Die Beschreibung der Genese beschränkt sich nicht auf die mit Originaldokumenten belegte Chronologie, sondern stellt diese vor den Hintergrund der zeitgeschichtlichen, geistesgeschichtlichen und literarischen Situation und bezieht das biographische Umfeld wie die späteren autobiographischen Rückblicke mit ein. Auch in der Rezeptionsgeschichte werden die zitierten Belege einem historischen und biographischen Hintergrund zugeordnet.

    Die Stellenkommentare geben außer den reinen Sachinformationen, Worterklärungen und Übersetzungen punktuelle Quellennachweise (die, so weit wie möglich, auch durch die Dokumentation erhalten gebliebener Randanstreichungen und Lesebemerkungen Thomas Manns ergänzt werden). Sie weisen offene wie verdeckte Zitate nach, belegen Textübernahmen und verweisen, soweit dies für das Verständnis nötig ist und erhellend ist, auf motivische und thematische Beziehungen zwischen der jeweils kommentierten Stelle und dem übrigen Werk Thomas Manns. Darüber hinaus tragen sie die einschlägigen Ergebnisse und Positionen der Forschungsliteratur zusammen.
    Das Briefwerk ist zwar in etlichen Einzelkorresponenzen hervorragend ediert worden [...] Doch ist die einzige Auswahl aus dem riesigen Gesamtcorpus, die Erika Mann in den frühen 60er Jahren in drei Bänden herausgab, noch immer nicht ersetzt. An ihre Stelle tritt nun eine achtbändige, die die frühere nicht nur vom Umfang nach weit überholen wird. Den Abschluss der GKFA wird eine revidierte Tagebuchedition bilden.
    Alle Textgruppen werden nach denselben editorischen Richtlinien herausgegeben, wobei es zu kleinen gattungsbedingten Abweichungen kommen kann.
    [S. 13 - 16]


31. Oktober 2001

Thomas-Mann-Ausgabe erst im Frühjahr

Eine Mail von meinem Buchhändler:

    Betreff: Subskription "Thomas Mann - Große Kommentierte Frankfurter Ausgabe"

    Sehr geehrter Herr Köllerer,

    wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass sich der Erscheinungstermin der Subskription "Thomas Mann (GKFA)" auf Frühjahr 2002 verschoben hat. Grund dafür sind technische Probleme bei der Produktion.

    Sobald der erste Band bei uns eintrifft werden Sie von uns benachrichtigt.

    Mit freundlichen Grüßen
Es würde mich allerdings sehr wundern, wenn es sich tatsächlich um technische Probleme handelt, viel wahrscheinlicher ist, dass die Edition der ersten Bände länger dauert als geplant.


10. September 2001

Neue Thomas-Mann-Ausgabe

Wie konnte mir das entgehen: Ab Herbst erscheint eine neue Ausgabe der Werke Thomas Manns, die "Große kommentierte Frankfurter Ausgabe. Werke, Briefe, Tagebücher" (GKFA). Als Auftakt sollen die "Buddenbrooks" publiziert werden. Geplant sind 58 Bände.

Hier Links zu weiterführenden Informationen:

Thomas Mann im S. Fischer Verlag
Pressemitteilung des S. Fischer Verlags



Übersicht --- Notizen --- Thomas Mann: Neue Werkausgabe